Die Lernenden analysieren historische Quellen, Zeitungsberichte, Predigten, Biografien und Bildmaterial und setzen sich kritisch mit unterschiedlichen Formen des Glaubenszeugnisses auseinander. Gruppenarbeiten, Quellenanalysen, Unterrichtsgespräche und Präsentationen fördern die Fähigkeit, historische Ereignisse mit theologischen Fragestellungen zu verbinden. Die Beschäftigung mit den Lübecker Märtyrern eröffnet zugleich einen ökumenischen Zugang, da katholische und evangelische Glaubenszeugnisse gemeinsam betrachtet werden. Die Lernenden reflektieren die Bedeutung von Gewissensfreiheit, Menschenwürde und persönlicher Verantwortung und übertragen die Erkenntnisse auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Die Unterrichtsreihe eignet sich besonders zur Förderung historischer Urteilsfähigkeit, religiöser Dialogkompetenz und ethischer Reflexion und zeigt, dass christlicher Glaube Menschen dazu befähigen kann, sich auch unter schwierigen Bedingungen für Wahrheit, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.
Der Einstieg gelingt durch eine Kunstinstallation in Berlin zum Thema islamische Terroristen als Märtyrer. Das christliche Verständnis von martyrium wird mit dem in den Medien vorherrschenden islamischen Bild verglichen. Dafür liegen zwei Textmaterialien vor.
In den nächsten Materialien schließt sich eine Gruppenarbeit zu den Biografien von vier Märtyrern aus dem christlichen Bereich an. Dabei wird jeweils untersucht ob der Begriff Märtyrer nach christlicher Definition auf die Person zutrifft. Zwei Bibelstellen zu materium werden mit den Handlungen der Person verglichen. Es wird festgestellt ob eine Übereinstimmung besteht und wenn ja in welcher Form.
In einem weiteren Schritt wird der Prozess der Seligsprechung untersucht. Zudem wird die Perspektive der evangelischen Kirche zu Mathyrium hinzugefügt.
Der allgemeinen bekannte kreuzweg mit seinen 14 Stationen wird mit einer anderen Kunstdarstellung eines Kreuzwegs der vier Lübecker Märtyrer verglichen.
In einer Bildanalyse wird ein Bild des schweißtuchs der Veronika mit der Kreuzwegs-Darstellung der vier Lübecker Märtyrer verglichen. Das Schweißtuch zeigt den Kopf Jesu so wie bei dem Kreuzweg die Märtyrer ihren eigenen Kopf in der Hand tragen.
Ein weiteres Material zeigt zusätzliche Beispiele von Märtyrern aus Niedersachsen auf einer Landkarte. Links machen die Recherche ihrer Biografien möglich.
Abschließend wird eine Podiumsdiskussion vorbereitet. Dabei wird diskutiert ob Straßennamen nach den Lübecker Märtyrern benannt werden sollten.
M1 Kunstinstallation in Berlin präsentiert islamistische Terroristen als „Märtyrer“
Die Lernenden analysieren einen aktuellen Medienbeitrag und setzen sich mit der missbräuchlichen Verwendung des Begriffs Märtyrer auseinander. Sie formulieren erste Kriterien, wodurch sich christliches Martyrium von extremistischen Ideologien unterscheidet.
M2 Nur Schwarz und Weiß oder auch Grauzonen?
Die Lernenden diskutieren moralische Entscheidungssituationen und erkennen, dass historische und ethische Fragen häufig nicht eindeutig zu beantworten sind. Dadurch entwickeln sie ihre Urteilskompetenz und reflektieren unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten.
M3 Sterben für den Glauben
Die Lernenden beschäftigen sich mit dem Begriff Martyrium und erarbeiten Merkmale christlichen Glaubenszeugnisses. Sie unterscheiden zwischen religiöser Überzeugung, Gewaltlosigkeit und fanatischem Extremismus.
M4 Eine Briefmarke mit vier Namen
Die Lernenden untersuchen eine Briefmarke, die an die vier Lübecker Märtyrer erinnert. Sie erschließen deren historische Bedeutung und erkennen die ökumenische Verbundenheit zwischen katholischen und evangelischen Christen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
M5a Karl Friedrich Stellbrink
Die Lernenden arbeiten die Biografie des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink heraus und untersuchen seine Motive für den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime.
M5b Johannes Prassek
Die Lernenden setzen sich mit dem Leben des katholischen Priesters Johannes Prassek auseinander und analysieren sein Glaubenszeugnis sowie seinen Einsatz für Wahrheit und Menschenwürde.
M5c Hermann Lange
Die Lernenden erschließen die Biografie Hermann Langes und untersuchen, wie sein christlicher Glaube sein Handeln im Widerstand gegen die Diktatur geprägt hat.
M5d Eduard Müller
Die Lernenden lernen Eduard Müller als vierten Lübecker Märtyrer kennen. Sie vergleichen die Lebensgeschichten aller vier Glaubenszeugen und arbeiten Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede heraus.
M6a Was heißt Seligsprechung?
Die Lernenden informieren sich über Sinn und Ablauf einer Seligsprechung in der katholischen Kirche. Sie verstehen, weshalb die Lübecker Märtyrer seliggesprochen wurden und welche Bedeutung dies für die Kirche besitzt.
M6b Warum Protestanten keine Heiligen brauchen
Die Lernenden vergleichen das katholische und evangelische Verständnis von Heiligen. Dadurch vertiefen sie ihr Wissen über konfessionelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede und stärken ihre ökumenische Kompetenz.
M7 Zitat
Die Lernenden interpretieren ein prägnantes Zitat zum Thema Glaubenszeugnis und übertragen dessen Aussage auf die zuvor behandelten Biografien. Das Material eignet sich als Diskussionsimpuls oder zur schriftlichen Reflexion.
M8 Auszug aus der Predigt von Kardinal Kasper anlässlich der Seligsprechung der Lübecker Märtyrer
Die Lernenden analysieren zentrale Aussagen der Predigt und erschließen die Bedeutung der Lübecker Märtyrer für Ökumene, Glauben und kirchliche Erinnerungskultur.
M9 Kreuzwegstationen
Die Lernenden betrachten Kreuzwegdarstellungen und vergleichen das Leiden Jesu mit dem Schicksal christlicher Glaubenszeugen. Sie reflektieren die Bedeutung von Leid, Hoffnung und Nachfolge Jesu.
M10 Aus dem Kreuzweg einer katholischen Kirche
Die Lernenden analysieren eine konkrete Kreuzwegstation und erschließen deren Symbolik. Sie diskutieren, wie christliche Kunst Glaubenszeugnisse und Erinnerung sichtbar macht.
M11 Das Schweißtuch der Veronika
Die Lernenden setzen sich mit der Figur der Veronika auseinander und erkennen, dass bereits kleine Gesten der Menschlichkeit Ausdruck christlicher Nachfolge sein können. Dadurch wird der Blick auf alltägliche Formen des Glaubenszeugnisses gelenkt.
M12 Märtyrerinnen und Märtyrer in Niedersachsen
Die Lernenden recherchieren regionale Beispiele christlicher Glaubenszeugen und entdecken, dass Martyrium und Widerstand auch Teil ihrer eigenen Geschichte sind. Dies fördert den regionalgeschichtlichen Bezug des Unterrichts.
M13 Eine Straße zur Erinnerung?
Die Lernenden diskutieren anhand eines aktuellen Beispiels, wie öffentliche Erinnerungskultur gestaltet werden kann. Sie entwickeln eigene Vorschläge zur Würdigung von Menschen, die sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde eingesetzt haben, und reflektieren die Bedeutung von Erinnerung für die Gegenwart.