Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I und II in den Themenbereichen Kirche im Nationalsozialismus, Gewissen und Verantwortung, christlicher Widerstand, Erinnerungskultur sowie Menschenwürde und Menschenrechte. Die Broschüre ermöglicht eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage, wie Christinnen und Christen in Diktaturen handeln und welche Rolle religiöse Überzeugungen in Konfliktsituationen spielen können.
Didaktisch besonders wertvoll ist, dass die Texte einfache Opfer Täter Schemata vermeiden. Die Lernenden erkennen, dass Verfolgung nicht automatisch mit aktivem Widerstand gleichzusetzen ist. Dadurch werden historische Urteilsfähigkeit und Perspektivwechsel gefördert. Die Beiträge zeigen unterschiedliche Formen von Distanz, Anpassung, Verweigerung und Widerstand gegenüber dem Nationalsozialismus.
Methodisch bietet sich zunächst ein arbeitsteiliger Zugang an. Gruppen können verschiedene Abschnitte der Broschüre bearbeiten, beispielsweise die Verfolgung katholischer Priester im Konzentrationslager Dachau, die Situation der katholischen Diaspora in Pommern oder die Entwicklung der kirchlichen Erinnerungskultur nach 1945. Anschließend präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse und diskutieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Ebenso eignet sich das Medium für eine biografische Annäherung. Anhand von Persönlichkeiten wie Alfons Maria Wachsmann oder Karl Leisner können Lernende untersuchen, welche Motive Menschen dazu bewegen, trotz persönlicher Gefahren an ihren Überzeugungen festzuhalten. Solche Biografien fördern Empathie und ermöglichen die Verbindung zwischen historischem Lernen und ethischer Reflexion.
Im Rahmen eines problemorientierten Unterrichts können Leitfragen entwickelt werden, etwa: „Wann wird Glauben politisch?“, „Welche Verantwortung tragen Kirchen in Diktaturen?“ oder „Wie erinnern wir heute an Opfer von Gewalt und Unrecht?“. Die Lernenden können dabei historische Quellen aus der Broschüre analysieren, Positionen vergleichen und eigene Urteile formulieren.
Für den Religionsunterricht bietet sich darüber hinaus eine Verknüpfung mit biblischen Themen an. Die Frage nach Zeugenschaft, Gewissen, Leidensbereitschaft und Hoffnung kann mit neutestamentlichen Texten über Nachfolge, Martyrium und Menschenwürde verbunden werden. Ebenso lassen sich Bezüge zu aktuellen Fragen von Zivilcourage, Diskriminierung und demokratischer Verantwortung herstellen.
Das Medium eignet sich außerdem für fächerverbindende Projekte mit Geschichte, Politik oder Ethik sowie für die Vorbereitung von Gedenktagen, Exkursionen zu Erinnerungsorten oder schulischen Projekten zur Erinnerungskultur. Durch die Verbindung regionaler Geschichte mit grundlegenden ethischen Fragestellungen eröffnet die Broschüre vielfältige Möglichkeiten für einen lebensweltbezogenen und reflektierten Religionsunterricht.
1. Fachvortrag „Gewalt, Opfer, Erinnerung – Gottesmänner im Nationalsozialismus“ (Christoph Kösters)
Material:
Wissenschaftlicher Überblickstext zur Verfolgung katholischer Priester im Nationalsozialismus, zu Konzentrationslagern, Märtyrern und kirchlicher Erinnerungskultur.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden erarbeiten arbeitsteilig verschiedene Abschnitte des Textes und erstellen eine Übersicht zu den Formen der Verfolgung katholischer Geistlicher. Anschließend diskutieren sie die Frage, ob Verfolgung automatisch Widerstand bedeutet. Dabei lernen sie historische Urteile differenziert zu begründen und einfache Schwarz Weiß Darstellungen zu hinterfragen.
2. Fachvortrag „Katholische Priester in Pommern als Opfer des Nationalsozialismus“ (Thomas K. Kuhn)
Material:
Regionalgeschichtlicher Beitrag über die Situation katholischer Geistlicher in Pommern, ihre Überwachung durch die Gestapo sowie konkrete Verfolgungsbiografien.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden analysieren regionale Beispiele von Ausgrenzung und Verfolgung. Sie erstellen Steckbriefe verfolgter Priester und vergleichen deren Handlungsmöglichkeiten. Dadurch wird Geschichte konkret und personalisiert.
3. Vorwort zum Gedenktag
Material:
Einführung in die Bedeutung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und die Verantwortung von Bildungseinrichtungen für historisches Lernen.
Was passiert im Unterricht?
Als Einstieg formulieren die Lernenden eigene Gedanken zu der Frage: „Warum erinnern wir uns an historische Verbrechen?“ Die Ergebnisse werden mit den Aussagen des Vorworts verglichen. Dies eröffnet einen Gegenwartsbezug.
4. Tabelle zur Verfolgung der Kirche in Deutschland (Abb. 1)
Material:
Statistische Übersicht über Verhaftungen, Verurteilungen, Konzentrationslageraufenthalte und weitere Repressionsmaßnahmen gegen katholische Geistliche.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden interpretieren die Zahlen und entwickeln Hypothesen über die Ziele nationalsozialistischer Religionspolitik. Die Tabelle kann als Grundlage für eine Quellenanalyse oder Diagrammauswertung genutzt werden.
5. Diagramm „Maßnahmen gegen katholische Priester 1933 bis 1945“ (Abb. 2)
Material:
Grafische Darstellung der Intensität staatlicher Maßnahmen gegen Priester im Verlauf der NS Zeit.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden analysieren die Entwicklung der Verfolgung und setzen sie in Beziehung zu historischen Ereignissen. Sie erkennen Zusammenhänge zwischen Politik und Religionsfreiheit.
6. Bild und Text zur Priesterweihe von Karl Leisner im Konzentrationslager Dachau (Abb. 3)
Material:
Abbildung eines Primizbildes sowie Erläuterungen zur geheimen Priesterweihe Karl Leisners im Konzentrationslager Dachau.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden betrachten Bild und Text als historische Quelle. Sie beschreiben Symbolik und Bedeutung der Darstellung und diskutieren die Frage: „Was gibt Menschen in Extremsituationen Hoffnung und Orientierung?“
7. Foto eines Feldgottesdienstes im Zweiten Weltkrieg (Abb. 4)
Material:
Historische Fotografie eines katholischen Militärpfarrers während eines Gottesdienstes an der Front.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden untersuchen die Rolle der Kirche im Krieg. In einer Pro und Contra Diskussion bewerten sie die Frage, ob die Kirche sich deutlicher gegen den Krieg hätte positionieren müssen.
8. Übersicht über die Opfer der katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg (Abb. 5)
Material:
Statistische Zusammenstellung kirchlicher Opfer während der NS Zeit.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden analysieren die Daten und vergleichen unterschiedliche Opfergruppen. Dabei reflektieren sie die Vielfalt der Verfolgungserfahrungen.
9. Foto einer Sühnewallfahrt in Dachau (Abb. 6)
Material:
Fotografie einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden untersuchen Formen des Erinnerns und entwickeln eigene Ideen für eine schulische Gedenkveranstaltung oder eine digitale Ausstellung.
10. Biografien katholischer Priester
Material:
Darstellungen von Personen wie Alfons Maria Wachsmann, Albert Willimsky und Karl Leisner.
Was passiert im Unterricht?
Die Lernenden erstellen biografische Lernplakate, führen Rollenspiele oder verfassen Tagebucheinträge aus der Perspektive der dargestellten Personen. Dadurch wird historisches Lernen emotional und lebensnah.
Mögliche Unterrichtsprodukte
Zeitstrahl zur Verfolgung der Kirche im Nationalsozialismus
Biografisches Lernplakat zu Karl Leisner oder Alfons Maria Wachsmann
Quellenanalyse von Bildern und Statistiken
Podiumsdiskussion „Kirche zwischen Anpassung und Widerstand“
Ausstellung zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Reflexionstext „Was bedeutet Zivilcourage heute?“
Vergleich von historischem und aktuellem Einsatz für Menschenrechte
Gedenkrede aus Sicht einer historischen Person
Diese Materialien ermöglichen sowohl historisches Lernen als auch ethische und religiöse Reflexion und eignen sich besonders für die Jahrgangsstufen 9 bis 13.