„Darüber muss ich klagen und heulen, ich muss barfuß und bloß dahergehen; ich muss klagen wie die Schakale und jammern wie die Strauße“ - Ja, der Prophet Micha dreht richtig auf mit seiner Anklage gegen Israel - SOMMERS WELTLITERATUR fasst sein Wirken in knapp fünf Minuten zusammen.
Als Zeitgenosse des ersten Jesaja, also zu der Zeit, als es mit dem Südreich Juda auf die Endgerade geht, betreibt Micha sehr deutliche Kapitalismuskritik: Er hält den Reichen vor, Arme auszubeuten; er beschuldigt die Priester, bewusst das Falsche zu tun und klagt die falschen Propheten an, sich dem Meistbietenden zu verkaufen. Dann jedoch entwirft er auch eine Vision des zukünftigen Gottesreiches, bei dem der Berg Zion das Zentrum einer utopischen Welt werden wird. In diesem Zusammenhang prophezeit er auch den künftigen Heilsbringer aus Bethlehem. Noch einmal klagt er das Volk Israel an, kommt dann aber auf die verheißungsvolle Zukunftsvision zurück.
Das Video zum Propheten Micha bietet einen lebendigen und humorvollen Überblick über die Botschaft eines der bedeutendsten Sozialkritiker des Alten Testaments. Micha stammt aus dem Dorf Moreschet und wirkt etwa zur gleichen Zeit wie der Prophet Jesaja im 8. Jahrhundert vor Christus. Im Zentrum seiner Botschaft stehen die Anklage gegen soziale Ungerechtigkeit, die Kritik an korrupten politischen und religiösen Eliten sowie die Verurteilung der Ausbeutung armer Menschen durch Wohlhabende. Micha kritisiert insbesondere jene, die ihren Reichtum auf Kosten anderer vermehren und dabei Recht und Gerechtigkeit missachten. Gleichzeitig verkündet er Gottes Gericht über Israel und Juda. Neben diesen scharfen Gerichtsworten enthält das Buch jedoch auch bedeutende Hoffnungsvisionen. Micha beschreibt eine zukünftige Friedenszeit, in der Waffen zu Werkzeugen des Friedens werden und die Völker gemeinsam nach Gottes Weisung leben. Besonders bekannt ist seine Verheißung eines Herrschers aus Bethlehem, die später im Neuen Testament aufgegriffen wird. Das Video endet mit Michas zentraler ethischer Botschaft, dass Gott von den Menschen Gerechtigkeit, Liebe und Bescheidenheit erwartet und zugleich immer wieder Vergebung schenkt.