Der Einstieg gelingt über die Wahl eines Ortes auf dem Schiff anhand von ausgedruckten Karten mit dem Namen des Ortes. Alternativ kann auch eine Tafelanschrift erfolgen.
Über fünf Impulsfragen, die in Gruppenarbeit gegenseitig gestellt werden, wird die eigene intuitive Wahl reflektiert. Dadurch wird die eigene Lebenssituation klarer und auch ein möglicher Wechsel der Position wird angeleitet. So währe es sicher zielführend, aus dem Rettungsboot oder dem Liegestuhl an das Steuerrad zu treten. Der Mastkorb symbolisiert die Suche nach Orientierung. Die letzte Impulsfrage thematisiert Notwendigkeiten zum Wechseln des Platzes. Abschließend wird im Plenum gemeinsam die Erfahrung der Übung besprochen.
Didaktisch eignet sich das Medium hervorragend für den Religionsunterricht, da es grundlegende Fragen nach Identität, Lebensweg, Zukunft, Selbstbestimmung und Verantwortung aufgreift. Die Arbeit mit der Schiffsmetapher eröffnet einen kreativen und zugleich niedrigschwelligen Zugang zu existenziellen Fragestellungen. Lernende müssen nicht unmittelbar über persönliche Probleme oder konkrete Berufswünsche sprechen, sondern können ihre Gedanken zunächst symbolisch über einen Ort auf dem Schiff ausdrücken. Dadurch entstehen häufig offene und ehrliche Reflexionsprozesse. Methodisch beginnt die Einheit mit einer gemeinsamen Einführung in die Metapher der Reise und des Aufbruchs. Anschließend bewegen sich die Lernenden im Raum zu dem Schiffsplatz, der ihrem gegenwärtigen Stand der Orientierung entspricht. Die körperliche Positionierung macht innere Einstellungen sichtbar und aktiviert die Lernenden unmittelbar. In Partnergesprächen erläutern sie ihre Wahl, beschreiben ihre Gedanken und reflektieren mögliche Veränderungen. Besonders wertvoll sind die Leitfragen des Arbeitsblattes, die zur Selbstreflexion anregen: Warum habe ich diesen Platz gewählt? Wo würde ich lieber stehen? Was ist an meinem derzeitigen Standort positiv? Welche Schritte könnten mich meinem Wunschziel näherbringen? Im Religionsunterricht lassen sich diese Fragen mit theologischen Motiven wie Lebensweg, Berufung, Vertrauen, Hoffnung, Aufbruch und Orientierung verbinden. Die abschließende Reflexion fördert die Einsicht, dass persönliche Entwicklung ein Prozess ist, der Zeit benötigt und von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt wird. Das Medium stärkt Selbstwahrnehmung, Dialogfähigkeit, Zukunftskompetenz und die Fähigkeit, eigene Lebensentscheidungen bewusst zu gestalten. Durch die wertschätzende Gesprächskultur lernen die Lernenden zudem, unterschiedliche Lebenssituationen und Orientierungswege zu respektieren und als individuelle Entwicklungsprozesse anzuerkennen.
Arbeitsblatt 1: Reflexionsbogen „Mein Platz an Bord“
Dieses Arbeitsblatt bildet das Herzstück der Methode. Nachdem sich die Lernenden für einen Platz auf dem Schiff entschieden haben, bearbeiten sie gemeinsam mit einer Partnerin oder einem Partner verschiedene Reflexionsfragen. Sie begründen ihre Wahl des Schiffsplatzes, beschreiben ihre aktuelle Situation und überlegen, ob sie lieber an einem anderen Ort des Schiffes wären. Darüber hinaus reflektieren sie, welche positiven Aspekte ihr derzeitiger Standort besitzt und welche Schritte notwendig wären, um ihrem Wunschziel näherzukommen. Das Arbeitsblatt fördert Selbstreflexion, Zukunftsplanung und die Fähigkeit, persönliche Gedanken zu formulieren.
Material 1: Steuerrad
Das Steuerrad symbolisiert Lernende, die ihre Zukunft aktiv gestalten, Entscheidungen treffen und bereits eine klare Richtung vor Augen haben. Im Unterricht stellen sich die Lernenden zu diesem Symbol, wenn sie das Gefühl haben, ihre berufliche oder persönliche Orientierung weitgehend selbst in der Hand zu haben. Anschließend erläutern sie ihre Beweggründe im Gespräch.
Material 2: Mastkorb
Der Mastkorb steht für Weitblick, Orientierung und das Ausschauhalten nach zukünftigen Möglichkeiten. Lernende wählen diesen Platz, wenn sie sich intensiv mit ihrer Zukunft beschäftigen und verschiedene Perspektiven erkunden möchten. Die Position bietet Anlass, über Wünsche, Ziele und mögliche Lebenswege zu sprechen.
Material 3: Maschinenraum
Der Maschinenraum symbolisiert Lernende, die bereits aktiv arbeiten, planen oder Vorbereitungen für ihre Zukunft treffen. Im Unterricht reflektieren sie, welche konkreten Schritte sie bereits unternehmen und welche Kompetenzen sie weiterentwickeln möchten.
Material 4: Liegestuhl an Deck
Der Liegestuhl steht für Gelassenheit, Ruhe oder eine Phase des Abwartens. Lernende, die sich momentan wenig mit ihrer Zukunft beschäftigen oder keinen unmittelbaren Handlungsdruck verspüren, können sich hier verorten. Im Gespräch wird reflektiert, welche Chancen und Risiken mit dieser Haltung verbunden sind.
Material 5: Rettungsboot
Das Rettungsboot symbolisiert Unsicherheit, Überforderung oder den Wunsch, eine schwierige Situation zu verlassen. Lernende können hier ausdrücken, dass sie sich im Orientierungsprozess unwohl fühlen oder Unterstützung benötigen. Die Gespräche eröffnen Möglichkeiten, über Hilfen, Ressourcen und nächste Schritte nachzudenken.
Material 6: Kombüse
Die Kombüse steht für Versorgung, Gemeinschaft und praktische Tätigkeiten. Lernende wählen diesen Ort, wenn sie sich eher mit den alltäglichen Anforderungen ihrer Zukunft beschäftigen oder ihre Stärken im sozialen und praktischen Bereich sehen. Dies kann Ausgangspunkt für Gespräche über persönliche Fähigkeiten und Interessen sein.
Material 7: Schlafkoje
Die Schlafkoje symbolisiert Rückzug, Nachdenken oder eine Phase der Orientierungslosigkeit. Lernende, die sich noch nicht intensiv mit ihrer Zukunft beschäftigt haben oder Zeit zum Nachdenken benötigen, finden hier einen passenden Platz. Die Reflexion hilft dabei, den eigenen Standort wertfrei anzuerkennen und Entwicklungsmöglichkeiten zu entdecken.