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Engel im Trialog

Veröffentlichung:1.1.2014

Die Unterrichtsreihe „Engel im Trialog“ reflektiert auf 36 Seiten mit 17 Materialien die Bedeutung von Engeln in den drei monotheistischen Weltreligionen und deren Schriften sowie im persönlichen Alltag. Eine detaillierte Erläuterung der Materialien erleichtert die Anwendung.

Das Medium „Engel im Trialog“ ist eine umfangreiche Materialsammlung für den Religionsunterricht in den Klassen 3 und 4 und wurde im Umfeld des Kunstprojekts „Engel der Kulturen“ von Gregor Merten und Carmen Dietrich entwickelt. Im Zentrum steht die interreligiöse Beschäftigung mit Engeln im Christentum, Judentum und Islam. Dabei werden Engel im Alltag, in den Heiligen Schriften, in Musik und Kunst sowie in persönlichen Glaubensvorstellungen thematisiert. Grundlage ist die Komparative Theologie, die nicht allein Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Religionen feststellen möchte, sondern den religiös Anderen in seiner Eigenständigkeit verstehen und aus der Begegnung auch neue Einsichten für den eigenen Glauben gewinnen will. Ausgangspunkt ist das Symbol des „Engels der Kulturen“, in dem Zeichen der drei abrahamischen Religionen miteinander verbunden sind und in ihrer Mitte die Gestalt eines Engels sichtbar wird. Das Kunstprojekt versteht dieses Zeichen als Ausdruck eines friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen. Die Materialien führen von persönlichen Engelvorstellungen und Engeln im Alltag über Aussagen von Menschen verschiedener Religionen zu Engeln in Bibel, Tora, Talmud, Koran und islamischer Tradition. Weitere Zugänge entstehen durch den Engel Gabriel, die Tobiterzählung, christliche, jüdische und islamische Musik sowie unterschiedliche Engeldarstellungen in der Kunst. Eine praktische Aufgabe unter der Bezeichnung „Beengeln“ und eine abschließende kreative Reflexion runden die Unterrichtsreihe ab.

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Das Medium eignet sich besonders für interreligiöses Lernen in der Grundschule, da das Motiv des Engels an Erfahrungen, Vorstellungen und Fragen der Lernenden anknüpft und zugleich Zugänge zu Christentum, Judentum und Islam eröffnet. Dabei sollte nicht mit einer fertigen Definition von Engeln begonnen werden. Vielmehr empfiehlt sich ein subjektorientierter Einstieg, bei dem unterschiedliche Vorstellungen ausdrücklich zugelassen werden. Lernende können Engel als himmlische Wesen, Schutzfiguren, Boten Gottes, Symbole oder auch als Menschen verstehen, die anderen helfen. Ebenso muss die Position möglich sein, nicht an Engel zu glauben. Gerade diese Offenheit entspricht dem Ansatz des Materials, unterschiedliche religiöse und nicht religiöse Perspektiven wahrzunehmen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Das Material betont für das interreligiöse Lernen exemplarisches Lernen, Elementarisierung und Perspektivwechsel sowie eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der eigene Vorstellungen formuliert werden können.

Als visueller Einstieg eignet sich besonders das Arbeitsblatt zum „Engel der Kulturen“ auf Seite 20. Die Lernenden betrachten zunächst ausschließlich das Zeichen und beschreiben, was sie erkennen. Innerhalb des Kreises lassen sich religiöse Symbole entdecken, während sich aus dem Zwischenraum zugleich die Gestalt eines Engels ergibt. Methodisch sollte genügend Zeit für die Wahrnehmung eingeräumt werden. Fragen wie „Was siehst du zuerst?“, „Welche Formen erkennst du?“, „Wo entdeckst du den Engel?“ und „Warum könnten verschiedene religiöse Zeichen miteinander verbunden worden sein?“ ermöglichen eine schrittweise Erschließung. Anschließend können die Lernenden das Zeichen selbst gestalten und eigene Vorstellungen von Zusammenleben, Frieden und religiöser Vielfalt ergänzen.

Ein weiterer Zugang erfolgt über die persönlichen Vorstellungen der Lernenden. Das Material schlägt dafür Musik und einen Austausch in Partnerarbeit vor. Die Assoziationen werden anschließend gesammelt. Dadurch erhält auch die Lehrkraft Einblick in Erfahrungen, Interessen, Kenntnisse und Fragen der Lerngruppe. Alternativ kann ein Engel aus Holz oder Papier im Klassenraum aufgestellt werden, an dem die Lernenden ihre Gedanken auf Zetteln befestigen. Wichtig ist ausdrücklich, auch Lernende einzubeziehen, die nicht an Engel glauben. Auf diese Weise entsteht keine Situation, in der persönlicher Engelglaube vorausgesetzt wird.

Das Material „Engel im Alltag“ erweitert die persönliche Perspektive. Die Lernenden untersuchen Aussagen über Engel und suchen nach Engelmotiven in ihrer Lebenswelt. Engel begegnen beispielsweise in Werbung, auf Karten, als Figuren, in Redewendungen oder als Schutzengel. Das Medium regt ausdrücklich dazu an, danach zu fragen, ob solche Darstellungen immer religiös gemeint sind und welche Funktionen Engel in der Werbung übernehmen. Methodisch kann daraus eine kleine Forschungsaufgabe entstehen. Lernende sammeln Engelbilder aus ihrem Alltag, beschreiben den jeweiligen Zusammenhang und ordnen ihnen Bedeutungen wie Schutz, Hilfe, Trost, Glück, Schönheit oder Werbung zu. Anschließend können religiöse und nicht religiöse Verwendungen miteinander verglichen werden.

Der interreligiöse Charakter sollte anschließend bewusst vertieft werden. Das Material „Engel im Trialog“ bringt Aussagen von Menschen unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit ein und zeigt damit zugleich, dass es auch innerhalb einer Religion verschiedene Engelvorstellungen gibt. Dies ist religionsdidaktisch besonders wichtig. Die Lehrkraft sollte vermeiden, Aussagen wie „Christen glauben“, „Muslime glauben“ oder „Juden glauben“ undifferenziert zu verwenden. Stattdessen können Formulierungen wie „In dieser Tradition findet sich die Vorstellung“ oder „Diese Person beschreibt ihren Glauben so“ helfen, innere Vielfalt sichtbar zu machen. Ebenso sollten einzelne Lernende niemals aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit zu Vertretenden oder erklärenden Fachpersonen ihrer Religion gemacht werden. Dies wird auch im Material ausdrücklich hervorgehoben.

Für eine vertiefende Erarbeitung sind die Materialien zu den Heiligen Schriften besonders geeignet. Engel werden darin als Boten, Beschützer, Begleiter und Geschöpfe Gottes dargestellt, die nach Gottes Weisung handeln und Gott loben können. Die Lernenden können Textaussagen aus verschiedenen religiösen Traditionen lesen und zunächst vermuten, welcher Tradition sie zuzuordnen sind. Gerade die Schwierigkeit dieser Zuordnung ist didaktisch produktiv, weil dadurch Gemeinsamkeiten sichtbar werden können. Anschließend werden die Texte verschiedenen Aufgaben von Engeln zugeordnet. Das Medium schlägt dafür Einzelarbeit oder Partnerarbeit vor und empfiehlt, die Entscheidungen anschließend gemeinsam zu besprechen und begründen zu lassen. Statt eines Wettbewerbs um richtige Zuordnungen sollte die Frage im Vordergrund stehen, welche Vorstellungen in den Texten erkennbar werden.

Der Engel Gabriel ermöglicht einen besonders anschaulichen Vergleich. Das Material stellt Texte aus den drei Religionen nebeneinander und fragt nach Gemeinsamkeiten. Im christlichen Text überbringt Gabriel Maria die Botschaft von der Geburt Jesu, im islamischen Text wird Gabriel mit der Übermittlung des Koran verbunden und im Text aus dem Buch Daniel vermittelt Gabriel Einsicht und eine Botschaft Gottes. Methodisch eignen sich Standbilder, die im Material ausdrücklich vorgeschlagen werden. Gruppen stellen jeweils eine Szene körperlich dar. Die übrigen Lernenden beschreiben zunächst wertfrei, was sie wahrnehmen, und interpretieren anschließend Körperhaltung, Abstand und Beziehung der Figuren. Danach werden die Darstellungen miteinander verglichen. So wird Gabriel als Bote erfahrbar, ohne die unterschiedlichen theologischen Bedeutungen der Texte vorschnell gleichzusetzen.

Die Tobiterzählung bietet einen narrativen Zugang zur Vorstellung des Engels als Begleiter. Tobias reist mit einem Begleiter, ohne zunächst zu wissen, dass dieser ein von Gott gesandter Engel ist. Das Material empfiehlt hierfür ein Gruppenpuzzle. Verschiedene Gruppen bearbeiten einzelne Abschnitte und geben ihr Wissen anschließend in neu zusammengesetzten Gruppen weiter. Diese Methode fördert Textverständnis, Kooperation und eigenständiges Erzählen. Als weiterführende Frage bietet sich an: „Muss man einen Engel erkennen, damit er ein Engel sein kann?“ Damit lässt sich die biblische Geschichte wieder mit heutigen Vorstellungen verbinden.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Musik und Kunst. Die Materialsammlung berücksichtigt christliche, jüdische und islamische Lieder und möchte dadurch unterschiedliche religiöse Ausdrucksformen erfahrbar machen. Musik sollte dabei nicht nur als Illustration eingesetzt werden. Die Lernenden können auf Klang, Sprache, Stimmung und wiederkehrende Begriffe achten und anschließend fragen, welche Aufgabe Engeln im jeweiligen Lied zukommt. Das jüdische „Shalom Aleichem“ verbindet Engel beispielsweise mit Sabbat und Frieden, während das islamische Lied unterschiedliche Engelvorstellungen aufgreift. Damit werden religiöse Traditionen nicht ausschließlich über Sachtexte erschlossen, sondern auch über ihre ästhetischen Ausdrucksformen.

Auch die Kunstbetrachtung besitzt im Medium einen hohen Stellenwert. Vorgeschlagen werden Engeldarstellungen aus jüdischen, christlichen und muslimischen Kontexten. Die Bilder können im Klassenraum ausgelegt oder projiziert und zunächst ohne Zuordnung betrachtet werden. Das Material empfiehlt ausdrücklich ein verlangsamtes Sehen. Die Lernenden beschreiben zunächst ihre Wahrnehmung, untersuchen anschließend Bildaufbau, Farben, Körpersprache und Symbole, benennen eigene Gefühle und fragen schließlich nach der religiösen Bedeutung der Bildelemente. Diese Vorgehensweise verhindert vorschnelle Deutungen und fördert Wahrnehmungsfähigkeit, Empathie und religiöse Bildkompetenz.

Eine handlungsorientierte Vertiefung bietet die Methode „Beengeln“. Dabei wird jeder Person der Lerngruppe eine andere Person zugelost, der sie für einen bestimmten Zeitraum mit kleinen Gesten Freude bereitet. Entscheidend ist, dass diese Aufmerksamkeit nicht vom Einsatz von Geld abhängt. Ein anschließender Tagebucheintrag dient der Reflexion. Die Methode kann die religiöse Rede vom Engel als Begleiter mit konkretem sozialen Handeln verbinden. Die Lehrkraft sollte dabei auf Freiwilligkeit, faire Regeln und die Grenzen der Lernenden achten.

Zum Abschluss kann das Symbol des „Engels der Kulturen“ erneut aufgegriffen werden. Das Material schlägt vor, das Zeichen auf einem großen Plakat darzustellen und die Lernenden darin festhalten zu lassen, was sie gelernt hat, was sie besonders bewegt und welche Fragen offen geblieben sind. Dadurch wird der Lernweg sichtbar. Zugleich kann die Ausgangsfrage erneut gestellt werden: „Was ist für dich ein Engel?“ Die Antworten vom Beginn und vom Ende der Unterrichtsreihe können miteinander verglichen werden. So wird deutlich, ob und wie sich Vorstellungen verändert oder erweitert haben. Das Medium ermöglicht damit einen Religionsunterricht, der persönliches Nachdenken, Begegnung mit Heiligen Schriften, ästhetisches Lernen, interreligiösen Dialog und soziales Handeln miteinander verbindet.


Der Einstieg gelingt über einen stillen Impuls zu den Symbolen der drei monotheistischen Weltreligionen. Dabei bildet der Halbmond die Umrandung des Kopfes. Kreuz und Davidstern stilisieren die Ränder der Flügel. In einem ersten Schritt werden in einem Unterrichtsgespräch Assoziationen zu Engeln gesammelt. Dies gelingt über eine Mindmap. In einem zweiten Schritt wird mit Hilfe von Zitaten das eigene Leben nach der Gegenwart von Engeln durchsucht. In einem dritten Schritt werden die Schriften der drei Religionen auf Engel untersucht. Dazu werden Zitate der Schriften ausgewertet. Dabei wird der Engel Gabriel als zentrale Engelsfigur erfasst und als Standbild mit Eigenschaften dieses Engels dargestellt werden. Im vierten Schritt werden Engel in drei Liedtexten aufgefunden. Diese werden in Kleingruppen ausgewertet. Der fünfte Schritt bietet Beispiele für Engel in Kunstwerken aus den drei monotheistischen Religionen. Die Intentionen der Künstler werden diskutiert. Der nächste Schritt bringt die persönliche Beziehung zu Engeln erneut in den Fokus. In einem Tagebucheintrag reflektieren die Lernenden das Wirken von engelsgleichen Menschen im eigenen Alltag. Abschließend wird eine Reflexion der Einheit vorgenommen. Dazu werden in Einzelarbeit die erarbeiteten Kenntnisse über Engel in das Bild des Einstieges geschrieben.

Material:

M1 Der „Engel der Kulturen“

M2 Was ist für dich ein Engel?

M3 Engel im Alltag

M4 Engel im Trialog

M5 Engel in den Heiligen Schriften

M5a Bibel, Tora und Talmud, Koran und Prophetenwort

M5b Der Engel Gabriel

M 5c Tobias

M6 Engel in der Musik

M6a Engel auf den Feldern singen

M6b Shalom Aleichem

M6c Wer sind die Engel, kannst du es sagen?

M7 Engel in der Kunst

M7a Engel aus verschiedenen Traditionen

M7b: Engel in der Kunst: Der Engel der Kulturen

M8 „Beengeln“

M9: Abschluss dieser Unterrichtseinheit

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