Didaktisch stellt das Projekt ein besonders gelungenes Beispiel für handlungsorientiertes und dialogisches Lernen dar. Die Unterrichtseinheit verbindet Wissensvermittlung, Begegnungslernen, Perspektivwechsel und Projektarbeit zu einem umfassenden Lernprozess. Zu Beginn dokumentieren die Lernenden ihr Vorwissen und ihre Fragen in einer Mindmap und führen während des gesamten Projektes ein Portfolio, das ihren individuellen Lernzuwachs sichtbar macht. Anschließend wird Abraham als gemeinsame Wurzel von Judentum, Christentum und Islam untersucht. Dadurch werden Gemeinsamkeiten sichtbar, bevor Unterschiede thematisiert werden. In einer weiteren Phase erarbeiten die Lernenden grundlegende Inhalte der Religionen durch Recherche, Textarbeit und Gruppenarbeit. Besonders bedeutsam ist die Exkursion zu Synagoge, Kirche und Moschee. Die Begegnung mit religiösen Räumen und die Gespräche mit religiösen Expertinnen und Experten ermöglichen authentische Erfahrungen, die weit über eine reine Wissensvermittlung hinausgehen. Im weiteren Verlauf entwickeln die Lernenden Regeln für einen respektvollen Dialog und bearbeiten in kursübergreifenden Gruppen selbst gewählte Fragestellungen zum Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen. Die Ergebnisse werden kreativ in Form von Kurzfilmen, Rollenspielen, Interviews, Quizformaten oder Präsentationen umgesetzt. Der Projekttag mit Podiumsdiskussion eröffnet schließlich die Möglichkeit, eigene Erkenntnisse mit Vertreterinnen und Vertretern der Religionen zu diskutieren. Methodisch verbindet die Einheit Portfolioarbeit, Mindmaps, Exkursionen, Expertengespräche, Gruppenarbeit, Projektlernen, Präsentationen, Diskussionen und Evaluation. Dadurch werden Sachkompetenz, Dialogkompetenz, Urteilsfähigkeit, Empathie, Perspektivübernahme und demokratische Handlungskompetenz gleichermaßen gefördert. Besonders wertvoll ist die konsequente Verbindung von religiöser Bildung und gesellschaftlichem Lernen, die den Lernenden konkrete Erfahrungen eines gelingenden interreligiösen Dialogs ermöglicht.
Die Fragestellungen zu den Biografien hinterfragen die Bedeutung der Zugehörigkeit zu einer Religion, die Authentizität der Person in ihrem Glauben sowie überraschende und irritierende Elemente der Darstellungen. Für die Q4 werden weitere Fragestellungen angeboten. Diese behandeln den Wahrheitsanspruch von Religion. Dabei wird erfragt, wann eine Religion als wahr angesehen werden kann. Kriterien zu Verlässlichkeit und konstruktiven Antworten auf Lebensfragen durch eine Religion werden entwickelt. Antworten auf diese Fragestellungen sind in der Einführung für die Lehrperson auf Seite eins ausführlich enthalten.
Da keine Biografie mit katholischem Christentum enthalten ist, bietet es sich an, eine solche in Gruppenarbeit selbst zu verfassen.
M1: Warum machen wir ein Projekt zum interreligiösen Dialog?
Dieses Einstiegsblatt führt die Lernenden in die Bedeutung des interreligiösen Dialogs ein. Ausgangspunkt sind Aussagen des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber sowie des jüdischen Theologen Schalom Ben Chorin. Die Lernenden setzen sich mit der Frage auseinander, warum Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander ins Gespräch kommen sollten und welche Bedeutung gegenseitiger Respekt für das Zusammenleben hat.
Das passiert im Unterricht
Die Lernenden lesen Aussagen von Martin Buber zum Dialog der Religionen.
Sie formulieren die Gedanken in eigenen Worten.
Sie diskutieren, ob sie Bubers Aussagen zustimmen und begründen ihre Position.
Anschließend setzen sie sich mit dem berühmten Satz von Schalom Ben Chorin auseinander: „Der Glaube Jesu verbindet Juden und Christen. Der Glaube an Jesus trennt sie.“
Die Lernenden reflektieren eigene Erwartungen, Wünsche und mögliche Befürchtungen hinsichtlich des Projekts.
Die Ergebnisse werden im Unterrichtsgespräch gesammelt und bilden den Ausgangspunkt für die weitere Arbeit.
M2: Exkursion zu den Gotteshäusern
Dieses Material begleitet den Besuch einer Moschee, einer Synagoge und einer Kirche. Es enthält Verhaltensregeln sowie ein ausführliches Erfahrungsprotokoll. Die Lernenden dokumentieren ihre Eindrücke unmittelbar während oder nach den Besuchen.
Das passiert im Unterricht
Die Klasse besucht alle drei Gotteshäuser.
Vor Ort erhalten die Lernenden Erklärungen von religiösen Expertinnen und Experten.
Sie stellen Fragen an Imame, Pfarrer oder jüdische Religionslehrkräfte.
Mit Hilfe des Arbeitsblattes beschreiben sie ihre Gefühle beim Betreten der Räume.
Sie notieren wichtige Symbole und Gegenstände.
Sie vergleichen Vertrautes und Fremdes.
Sie reflektieren die Atmosphäre der unterschiedlichen Räume.
Die Ergebnisse werden anschließend im Unterricht ausgewertet und miteinander verglichen.
M3: Gruppenpräsentationen
Dieses Material bildet den Kern der Projektarbeitsphase. Die Lernenden wählen selbstständig eine Fragestellung zum Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen. Außerdem entscheiden sie über die Form ihrer Präsentation.
Mögliche Fragestellungen
Welche Probleme entstehen im Alltag durch unterschiedliche Religionen?
Wie gelingt ein gutes Zusammenleben?
Wie kann Religion das Zusammenleben verbessern?
Welche Visionen gibt es für die Zukunft einer pluralen Gesellschaft?
Welche Themen sollten Religionen miteinander besprechen?
Mögliche Präsentationsformen
Rollenspiel
PowerPoint Präsentation
Kurzfilm
Collage
Quiz
Interview
Tanz
Rap
Kreative Performance
Das passiert im Unterricht
Die Lernenden bilden kursübergreifende Gruppen.
Sie wählen ein Thema.
Sie entwickeln einen Arbeitsplan.
Sie recherchieren eigenständig.
Sie diskutieren unterschiedliche religiöse Perspektiven.
Sie erstellen ein kreatives Produkt.
Die Ergebnisse werden im Kurs präsentiert und bewertet.
M4: Bewertungsraster für die Gruppenpräsentationen
Das Material enthält Kriterien zur Bewertung der Projektarbeiten. Die Kriterien machen transparent, worauf bei einer gelungenen Präsentation geachtet wird.
Das passiert im Unterricht
Die Lernenden nutzen das Raster zur Selbst und Fremdeinschätzung. Bewertet werden:
Erkennbarkeit der Fragestellung
Berücksichtigung verschiedener Religionen und Weltanschauungen
Passung der Präsentationsform
Kreativität
Qualität der Beantwortung von Fragen
Reflexion der Gruppenarbeit
Zusammenarbeit und Organisation innerhalb der Gruppe
Dadurch lernen die Lernenden, Qualitätskriterien für Präsentationen anzuwenden und die eigene Arbeit kritisch zu reflektieren.
M5: Evaluation des Projekts
Am Ende der Unterrichtseinheit reflektieren die Lernenden den gesamten Projektverlauf. Das Evaluationsblatt ermöglicht eine differenzierte Rückmeldung zu allen Projektbausteinen.
Das passiert im Unterricht
Die Lernenden bewerten:
Grundlagen der Religionen
Grundlagen des Atheismus
Exkursion zu den Gotteshäusern
Gruppenarbeit
Projekttag mit Präsentationen
Podiumsdiskussion
Zusätzlich beantworten sie Fragen wie:
Was habe ich gelernt?
Was hat mir besonders gefallen?
Was könnte verbessert werden?
Welche Erkenntnisse nehme ich für mein weiteres Leben mit?
Weitere Unterrichtsbausteine ohne eigenes Arbeitsblatt
Neben den Materialien umfasst das Projekt weitere wichtige Lernformen:
Portfolioarbeit über das gesamte Halbjahr
Erstellung von Mindmaps zum Vorwissen
Erarbeitung von Basiswissen zu Judentum, Christentum, Islam und Atheismus
Entwicklung von Dialogregeln
Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern der Religionen
Podiumsdiskussion mit einem abrahamischen Team
Gemeinsames Essen mit Speisen aus den Kulturkreisen der Religionen
Abschlussreflexion und Evaluation