Für den Religionsunterricht bietet das Medium zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Evolutionstheorie und religiösen Schöpfungsvorstellungen. Die Materialien eignen sich besonders für einen dialogischen Unterricht, in dem naturwissenschaftliche und religiöse Perspektiven miteinander ins Gespräch gebracht werden. Lernende können zunächst ihre eigenen Vorstellungen zur Entstehung des Menschen formulieren und diese mit den dargestellten wissenschaftlichen Erkenntnissen vergleichen. Die Bildimpulse zum bekannten Evolutionssymbol ermöglichen einen kritischen Umgang mit populären Darstellungen und fördern die Fähigkeit, Medien kritisch zu hinterfragen. Durch die Stammbaumarbeit werden Erfahrungen aus der eigenen Lebenswelt aufgegriffen und auf größere Zusammenhänge der Entwicklung des Lebens übertragen. Besonders gewinnbringend ist die Arbeit in kooperativen Lernformen, etwa beim Legen von Stammbaum-Puzzles, bei Gruppenrätseln oder beim gemeinsamen Erstellen von Zeitstrahlen. Im Religionsunterricht können darüber hinaus ethische Fragestellungen diskutiert werden: Welche Verantwortung trägt der Mensch gegenüber Tieren und der Natur, wenn alle Lebewesen miteinander verwandt sind? Welche Antworten geben Religion und Naturwissenschaft auf die Frage nach dem Ursprung des Menschen? Die Materialien fördern Perspektivwechsel, argumentatives Denken und die Fähigkeit, unterschiedliche Weltdeutungen wertschätzend miteinander zu vergleichen. Aufgrund der anschaulichen Gestaltung eignen sie sich sowohl für den Präsenzunterricht als auch für digitale Lernsettings, beispielsweise durch digitale Pinnwände, kollaborative Arbeitsaufträge oder interaktive Präsentationen.
Der Einstieg gelingt über eine Bildanalyse. Sechs Impulsfragen im Material erleichtern dies. In einem weiteren Schritt wird der Stammbaum des Menschen untersucht. Dabei werden die Begriffe Vorfahren und Nachfahren behandelt. In einem weiteren Schritt wird eine Grafik der Herkunft des Menschen ausgewertet. Darauf sind die verschiedenen Vorformen zwischen dem Schimpansen und dem Homo sapiens sapiens abgebildet. Im nächsten Schritt wird in Gruppenarbeit ein Familienpuzzle mit im Material enthaltenen Bildern von Personen gestaltet. Dabei zeigt sich, dass Eigenschaften der Eltern wie fehlende Haare, Form der Ohren und Kopfform weitergegeben werden. Eine detaillierte Anleitung ist im Material enthalten.
Im nachfolgenden Schritt wird das verzweigte Netz der Entwicklung des Menschen anhand einer Grafik thematisiert. Dabei zeigt sich, dass viele Vorformen des Menschen ausgestorben sind. Auch die Überlebenden Affenarten sind enthalten.
Nachfolgend werden die Arme, Beine, Flossen und Flügel verschiedener Säugetiere in ihrem Knochenaufbau behandelt. Dabei zeigt sich, dass bestimmte Knochenteile eindeutige Ähnlichkeiten aufweisen. Auf die Entwicklung der Föten von Reptilien, Fischen und Säugetieren wird im Material verglichen. Dabei zeigt sich, dass auch die Embryonen von Säugetieren denen der anderen Tierklassen zu Beginn ähnlich erscheinen.
Symbolbild der Evolution („March of Progress“)
Zu Beginn betrachten die Lernenden das bekannte Bild der scheinbar geradlinigen Entwicklung vom Affen zum Menschen. In einem Unterrichtsgespräch äußern sie Vermutungen und Vorwissen zur Frage „Stammt der Mensch vom Affen ab?“. Im Verlauf der Einheit wird dieses Bild kritisch hinterfragt und durch wissenschaftlich differenziertere Darstellungen ersetzt. Dadurch werden Fehlvorstellungen sichtbar gemacht und korrigiert.
Stammbaumdarstellung und Ahnentafel
Anhand eines historischen Stammbaums und einer vereinfachten Ahnentafel lernen die Lernenden die Begriffe Vorfahren, Nachfahren und Generationen kennen. Sie erkennen, wie Abstammung über viele Generationen dargestellt werden kann und übertragen dieses Wissen später auf die Entwicklung von Arten.
Stammbaum-Rätsel (Comic-Familie)
Die Lernenden erhalten Bildkarten einer Familie und müssen diese anhand äußerer Merkmale wie Augen-, Kopf- oder Ohrenform zu einem Stammbaum zusammensetzen. Dabei entdecken sie Zusammenhänge von Vererbung, Ähnlichkeit und biologischer Verwandtschaft. Die Aufgabe wird in Gruppen bearbeitet und anschließend gemeinsam ausgewertet.
Arbeitsblatt „Wie siehst du aus?“
Die Lernenden setzen sich mit eigenen Merkmalen und möglichen Ähnlichkeiten zu Verwandten auseinander. Dabei reflektieren sie Vererbung und Individualität. Das Material ermöglicht eine persönliche Annäherung an das Thema und kann Anlass für Gespräche über Identität und Einzigartigkeit geben.
Stammbaum der Menschenartigen
Mithilfe eines großformatigen Artenstammbaums untersuchen die Lernenden die Entwicklung der Menschenartigen. Sie erkennen, dass Mensch und Menschenaffen gemeinsame Vorfahren besitzen und dass Evolution nicht geradlinig verläuft, sondern durch viele Verzweigungen gekennzeichnet ist. Impulsfragen regen zur Diskussion über Wissenschaft, Menschenbild und den Umgang mit Tieren an.
Vergleichstabelle „Mensch – Katze – Wal – Fledermaus“
Die Lernenden sammeln Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Säugetieren. Dabei wird deutlich, dass sehr unterschiedliche Lebewesen gemeinsame Merkmale besitzen. Die Ergebnisse werden in Tabellen festgehalten und anschließend besprochen.
Vergleich von Gliedmaßen und Skeletten
Anhand von Silhouetten und Skelettzeichnungen von Mensch, Katze, Wal und Fledermaus vergleichen die Lernenden den Aufbau der Vorderextremitäten. Sie entdecken ähnliche Knochenstrukturen und erschließen daraus die gemeinsame Abstammung dieser Arten.
Bild des rekonstruierten Ursäugetiers
Das Material zeigt eine wissenschaftliche Rekonstruktion eines vermuteten gemeinsamen Vorfahren der heutigen Säugetiere. Die Lernenden überlegen, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Fossilien und Forschungsergebnissen Rückschlüsse auf ausgestorbene Lebewesen ziehen können.
Embryonen-Vergleich
Die Lernenden erhalten Bilder von Embryonen verschiedener Tierarten und versuchen, diese zuzuordnen. Dabei erkennen sie, wie ähnlich sich viele Wirbeltiere in frühen Entwicklungsstadien sind. Die anschließende Auflösung dient als Beleg für gemeinsame Abstammungslinien.
Spiel „Andenken an unsere Vorfahren“
In einem Bewegungsspiel entscheiden Gruppen, ob Aussagen über Merkmale des menschlichen Körpers wahr oder falsch sind. Dabei lernen die Lernenden evolutionäre „Spuren“ im menschlichen Körper kennen, etwa das Steißbein, Ohrmuskeln oder Weisheitszähne. Das Spiel verbindet Wissensvermittlung mit Aktivierung und Wettbewerb.
Lebensbaum-Rätsel
Der Lebensbaum zeigt die Verwandtschaft zahlreicher Lebewesen. Durch das Bearbeiten von Rätselaufgaben ordnen die Lernenden verschiedene Arten ein und entdecken Zusammenhänge zwischen Pflanzen, Pilzen und Tieren. Dadurch wird die Vielfalt des Lebens als zusammenhängendes Netzwerk sichtbar.
Zeitstrahl-Puzzle zur Evolution
Die Lernenden setzen in Gruppen einen etwa neun Meter langen Zeitstrahl zusammen. Dabei ordnen sie wichtige Ereignisse der Erd- und Evolutionsgeschichte zeitlich ein. Die Größe des Zeitstrahls macht die enormen Zeiträume der Evolution anschaulich und fördert kooperatives Lernen. Anschließend kann der Zeitstrahl als „Geschichte des Lebens“ gemeinsam gelesen und ausgewertet werden.
Didaktischer Mehrwert für den Religionsunterricht
Die Materialien ermöglichen es, naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit religiösen Fragen nach Ursprung, Schöpfung und Menschenbild zu verbinden. Lernende setzen sich mit unterschiedlichen Deutungen der Welt auseinander, vergleichen wissenschaftliche und religiöse Perspektiven und reflektieren ihre eigene Position. Besonders geeignet sind die Materialien für Gespräche über Schöpfung, Verantwortung für die Mitwelt, die Stellung des Menschen in der Natur sowie das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft.