Warum soll es eigentlich „Sünde“ sein, klug werden zu wollen? Thomas Hieke, Professor für Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der JGU Mainz, klärt auf, was es mit dem sog. Sündenfall auf sich hat.
Ohne Freiheit gibt es keine Liebe. Deshalb gab Gott dem Menschen den freien Willen. Der Missbrauch dieser Freiheit tritt immer wieder auf. Würde sich der Mensch nur nach Gottes Willen und Geboten richten, wäre das Paradies erreicht.
Das Medium setzt sich kritisch mit der traditionellen Deutung der sogenannten Paradiesgeschichte auseinander und eröffnet einen neuen Zugang zu Genesis 2–4. Im Mittelpunkt steht die Frage nach Freiheit, Verantwortung und der Fähigkeit des Menschen, zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Der Vortrag erklärt, dass Begriffe wie „Sündenfall“, „Erbsünde“ oder die Vorstellung eines strafenden Gottes nicht direkt im biblischen Text vorkommen, sondern spätere Deutungen darstellen. Stattdessen wird die Erzählung als Entwicklungsgeschichte menschlicher Freiheit verstanden: Der Mensch wird als autonomes und verantwortliches Wesen beschrieben, das lernen muss, Entscheidungen zu treffen und mit deren Folgen umzugehen. Dabei werden auch Bezüge zu Kain und Abel, zur jüdischen Tradition von Jom Kippur sowie zur christlichen Erlösungslehre hergestellt. Das Medium verbindet bibelwissenschaftliche Erkenntnisse mit existenziellen Fragen nach Schuld, Freiheit, Liebe und Verantwortung.