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Christoph ThomaSchulamt Innsbruck

Christoph Thoma,

Schulamt Innsbruck

Ich hasse, also bin ich. Erwin Ringel

Veröffentlichung:1.1.2022

Die Unterrichtsstunde "Ich hasse, also bin ich" mit fünf Seiten und fünf Fragestellungen thematisiert Aggression und Minderwertigkeitsgefühl vor dem Hintergrund von Fremdenfeindlichkeit. Die fünf Fragen thematisieren Hass als Identität, Gründe für Fremden- und Menschenhass, Gruppendruck, das Wort Masse sowie den Bezug zwischen Liebe und Hass. Zudem wird in Gruppenarbeit eine Aktualisierung mit Erlebnissen oder Vorgängen aus der eigenen Lebenswelt entwickelt.

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Unterrichtsstunde: Ich hasse, also bin ich (Erwin Ringel)


I. Einführung (ca. 15 Minuten)

Begrüßung der Schüler und Einstieg in das Thema Fremdenhass

Kurze Erklärung des Textes "Ich hasse, also bin ich" von Erwin Ringel

Vorstellung der zentralen Aussagen des Textes


II. Diskussion (ca. 20 Minuten)

Beantwortung der 5 Fragen im Material


Öffnen der Diskussionsrunde über das Thema Fremdenhass

Fragen zur eigenen Meinung und Erfahrungen der Schüler zum Thema

Ermutigung der Schüler, ihre Gedanken und Ideen einzubringen

Anregung einer kontroversen Diskussion über die Ursachen und Auswirkungen von Fremdenhass



Antworten und Klärungen zum Material und den fünf Fragen dort:


Sprachliche Klärung der unbekannten Wörter:

Ich-Unsicherheit: Es handelt sich um eine fragliche Beziehung zur eigenen Person, ein Minderwertigkeitskomplex.

Minderwertigkeitskomplex: Das Selbstwertgefühl ist beeinträchtigt, man fühlt sich unsicher und minderwertig.

Subjekte: Menschen, Individuen.

Aussätziger: Eine Person, die von der Gesellschaft ausgeschlossen und isoliert wird.

Frustrationen: Gefühle von Unzufriedenheit und Enttäuschung aufgrund unerfüllter Wünsche oder Bedürfnisse.

Verbitterung: Ein Zustand der Bitterkeit und des Grolls.

Destruktivität: Die Tendenz, etwas zu zerstören oder schädliche Handlungen auszuführen.

Verbrüderung: Eine Zusammenkunft oder Vereinigung von Menschen.

Schwarzweißmalerei: Eine vereinfachte Sichtweise, bei der komplexe Themen auf nur zwei Extreme reduziert werden.


Zusammenfassung der Hauptgründe für die Entstehung von Fremden-/Menschenhass:

a) Ich-Unsicherheit oder Minderwertigkeitskomplex: Menschen mit einer fraglichen Beziehung zu sich selbst und einem geringen Selbstwertgefühl können dazu neigen, andere Menschen als Objekte zu betrachten, um entweder ihr Minderwertigkeitsgefühl zu verstärken oder sich auf deren Kosten aufzuwerten.

b) Gestörtes Gefühlsleben: Menschen, die Frustrationen, Enttäuschungen, Verbitterung, Wut und Hass angesammelt haben, können diese negativen Emotionen in Fremden-/Menschenhass umwandeln. Der Hass wird zur destruktiven Form der Liebe.


Unterscheidung zwischen 'Gruppe' und 'Masse':

Nach den Erkenntnissen von Sigmund Freud und Le Bon wird bei der Bildung einer Masse von Fremdenhassenden von einer psychologischen Dynamik gesprochen. Es handelt sich nicht um eine echte Gruppe, sondern um eine Ansammlung von Menschen, die einem Führer untergeordnet sind. Je brutaler der Führer ist, desto williger sind die Menschen, sich ihm zu unterwerfen.


Zusammenfassung des Verständnisses von 'Masse' bei Le Bon und Freud:


Le Bon: Le Bon untersuchte die Psychologie der Masse und stellte fest, dass Menschen in einer Masse ihre individuellen Eigenschaften und moralischen Hemmungen verlieren. Sie sind leichter zu manipulieren und zeigen ein kollektives Verhalten, das von den Impulsen des Führers bestimmt wird.

Freud: Freud entdeckte das Unbewusste und stellte fest, dass in einer Masse die individuelle Vernunft und das Gewissen unterdrückt werden. Die Masse ermöglicht es den Menschen, ihre aggressiven Impulse auszuleben und Verantwortung abzugeben.

Zusammenhang zwischen Fähigkeit zu lieben und Unfähigkeit zum Fremden-/Menschenhass:

Ringel betont, dass Menschen, die in der Lage sind zu lieben, keine Anfälligkeit für Fremdenhass zeigen.

Ein gesundes Selbstwertgefühl ermöglicht es ihnen, Mitgefühl und Empathie für andere Menschen zu empfinden. Die Fähigkeit zu lieben basiert auf einer Anerkennung der eigenen Bedürfnisse und der Bedürfnisse anderer. Menschen, die in der Lage sind zu lieben, sind offen für Vielfalt, Respekt und Toleranz gegenüber anderen.

Auf der anderen Seite stehen Menschen, die unfähig sind zu lieben, oft im Konflikt mit sich selbst. Sie kämpfen mit inneren Unsicherheiten, Frustrationen und verbitterten Gefühlen. Diese negativen Emotionen können sich in Hass gegenüber Fremden oder Menschen äußern, die als anders wahrgenommen werden. Indem sie andere ablehnen oder hassen, versuchen sie, sich selbst aufzuwerten oder ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten zu kompensieren.

Der Zusammenhang besteht also darin, dass die Fähigkeit zu lieben eine grundlegende Voraussetzung für ein harmonisches Zusammenleben und ein friedliches Miteinander ist. Indem wir unsere eigenen Unsicherheiten und Frustrationen angehen und unsere Fähigkeit zu lieben entwickeln, können wir Vorurteile und Hass überwinden. Es ist wichtig, unsere gemeinsame Menschlichkeit anzuerkennen und uns für Mitgefühl, Empathie und Verständnis zu öffnen, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der Fremden- und Menschenhass keinen Platz haben.


III. Praktische Anwendung (ca. 30 Minuten)

Gruppenarbeit: Jede Gruppe erhält eine konkrete Situation, in der Fremdenhass auftreten könnte (z. B. Schule, Arbeitsplatz, öffentlicher Raum)

Die Schüler sollen in ihren Gruppen Lösungsansätze erarbeiten, wie man mit Fremdenhass umgehen und ihn bekämpfen kann

Betonung der Bedeutung von Toleranz, Respekt und Empathie


Eine konkrete Situation, in der Fremdenhass auftreten könnte, ist eine Schule mit einer vielfältigen Schülerschaft. Stellen wir uns vor, dass an dieser Schule Schüler unterschiedlicher ethnischer, kultureller und religiöser Hintergründe zusammenkommen.

In dieser Situation könnte Fremdenhass aufgrund von Vorurteilen, Ignoranz und mangelndem Verständnis auftreten. Ein Schüler, der aus einer anderen Kultur stammt oder eine andere Religion praktiziert, könnte zum Ziel von abfälligen Bemerkungen, Beleidigungen oder sogar körperlicher Gewalt werden. Der Fremde wird als "anders" wahrgenommen und zum Sündenbock gemacht.

Der Fremdenhass könnte sich in Form von Mobbing manifestieren, bei dem der betroffene Schüler systematisch ausgegrenzt, verspottet oder isoliert wird. Es könnten Vorurteile und Stereotypen über die Kultur oder Religion des Schülers verbreitet werden, um ihn zu diskriminieren und zu demütigen. Diese feindselige Umgebung kann zu einer starken Belastung für den betroffenen Schüler werden und seine schulische Leistung, sein Selbstwertgefühl und seine psychische Gesundheit beeinträchtigen.


IV. Präsentation der praktischen Anwendung (ca. 15 Minuten)

Jede Gruppe präsentiert ihre erarbeiteten Lösungsansätze und diskutiert diese mit der gesamten Klasse

Möglichkeit für Rückfragen und Ergänzungen seitens der anderen Schüler


V. Reflexion und Zusammenfassung (ca. 10 Minuten)

Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Lösungsansätze

Reflexion über den eigenen Umgang mit Fremdenhass und mögliche Veränderungen in der eigenen Einstellung

Offene Diskussion über weitere Fragen und Anregungen


VI. Hausaufgabe (ca. 10 Minuten)

Die Schüler sollen eine kurze schriftliche Reflexion über die heutige Unterrichtsstunde verfassen

Fragen zur Selbstreflexion: Haben sich meine Ansichten zum Thema Fremdenhass verändert? Welche Lösungsansätze finde ich besonders sinnvoll? Wie kann ich im Alltag dazu beitragen, Fremdenhass zu bekämpfen?


VII. Abschließende Worte (ca. 5 Minuten)

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte der Unterrichtsstunde

Motivation der Schüler, das Gelernte im Alltag anzuwenden und weiterhin kritisch mit dem Thema Fremdenhass umzugehen


VIII. Zusätzliche kreative Ideen

Rollenspiele: Die Schüler könnten verschiedene Rollen einnehmen und Szenen darstellen, in denen sie mit Fremdenhass konfrontiert werden, um angemessene Reaktionen zu üben.

Gastredner: Ein Vertreter einer lokalen Organisation, die sich gegen Fremdenhass einsetzt, könnte eingeladen werden, um über ihre Arbeit zu berichten und den Schülern Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme aufzuzeigen.

Filmvorführung: Ein Film oder eine Dokumentation über die Auswirkungen von Fremdenhass könnte gezeigt und im Anschluss gemeinsam diskutiert werden.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.2 Dem Zeitgeist widerstehen: Kirche und Diktatur.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Widerstehe den Anfängen: Wo werden heute Menschenrechte verletzt?

Text

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26.4.2022

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Unterrichtsstunde

Menschen & Welt

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ,Kommunizieren und Kooperieren ,Produzieren und Präsentieren

mittel

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