Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht besonders im Zusammenhang mit den Themen gutes Leben, Schöpfung, Menschenbild, Gerechtigkeit, Verantwortung, Nachhaltigkeit, globale Gerechtigkeit, indigene Religionen und Weltbilder sowie Bewahrung der Schöpfung. Sein besonderes religionspädagogisches Potenzial liegt darin, dass die Frage nach dem guten Leben nicht abstrakt behandelt wird, sondern aus einer kulturell und religiös geprägten Perspektive, die verbreitete Vorstellungen von Wohlstand, Fortschritt und Lebensqualität herausfordert. Lernende können dadurch erkennen, dass die Frage „Was ist ein gutes Leben?“ je nach kulturellem, gesellschaftlichem und religiösem Kontext unterschiedlich beantwortet wird. Zugleich sollte im Unterricht darauf geachtet werden, Buen Vivir nicht als einheitliche Weltanschauung aller indigenen Menschen darzustellen. Das Medium betont selbst die Vielfalt der Konzepte und verweist darauf, dass unterschiedliche indigene Völker verschiedene Begriffe, Traditionen und Vorstellungen besitzen. Gerade diese Vielfalt bietet die Möglichkeit, vereinfachende oder romantisierende Vorstellungen indigener Kulturen kritisch zu hinterfragen.
Als Einstieg kann die persönliche Frage nach dem guten Leben gewählt werden. Die Lernenden sammeln zunächst Vorstellungen dazu, was sie für ein gelungenes Leben benötigen. Begriffe wie Familie, Freundschaft, Geld, Gesundheit, Freiheit, Besitz, Natur, Gemeinschaft, Anerkennung, Glaube, Sicherheit und Freizeit können gesammelt, geordnet und gewichtet werden. Anschließend werden diese Vorstellungen mit ausgewählten Aussagen zum Buen Vivir konfrontiert. Besonders geeignet ist die im Medium beschriebene Vorstellung eines harmonischen und spirituellen Lebens, das Solidarität und gegenseitiges Geben und Nehmen zwischen Menschen sowie gegenüber Natur und Kosmos einschließt. Die Lernenden können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu ihren eigenen Vorstellungen herausarbeiten und diskutieren, ob Lebensqualität notwendigerweise mit zunehmendem materiellen Besitz verbunden sein muss.
Für die Erarbeitung bietet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit an. Verschiedene Gruppen können unterschiedliche Aspekte untersuchen, etwa Gemeinschaft und Solidarität, Naturverständnis und Spiritualität, Menschenrechte und Selbstbestimmung, Bildung und kulturelle Identität, Rohstoffabbau und Umweltzerstörung oder die politische Umsetzung des Buen Vivir. Die Ergebnisse können auf Plakaten, in digitalen Präsentationen oder in einer gemeinsamen Begriffslandschaft dargestellt werden. Anschließend werden die einzelnen Perspektiven miteinander verbunden. Auf diese Weise wird deutlich, dass Buen Vivir nicht lediglich Umweltschutz meint, sondern Fragen nach Menschenbild, Gemeinschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur, Spiritualität und Gerechtigkeit miteinander verknüpft.
Besonders anschaulich sind die konkreten Beispiele indigener Gemeinschaften. So beschreibt das Medium für die Maya Kiche in Guatemala Regeln zum Schutz von Wald und Wasser. Das Fällen von Bäumen wird gemeinschaftlich geregelt, Aufforstung wird organisiert und eine Wasserquelle bleibt ausdrücklich den Wildtieren vorbehalten. Zugleich übernehmen Mitglieder verpflichtend Verantwortung für das Gemeinwohl. Diese Passage eignet sich für eine Fallanalyse. Lernende können herausarbeiten, welche Werte hinter den einzelnen Regeln stehen und anschließend überlegen, welche vergleichbaren Regeln für ihre eigene Schule, Gemeinde oder Stadt denkbar wären. Dadurch wird die zunächst fremd erscheinende Konzeption mit der eigenen Lebenswelt verbunden.
Ein weiterer Zugang besteht in einer Gegenüberstellung unterschiedlicher Vorstellungen von Entwicklung. Die Lernenden können aus dem Medium Merkmale eines vorwiegend an Wachstum und materiellem Wohlstand orientierten Entwicklungsverständnisses sowie Merkmale des Buen Vivir herausarbeiten. Dabei sollte keine vereinfachende Gegenüberstellung von einer grundsätzlich schlechten westlichen und einer grundsätzlich guten indigenen Lebensweise entstehen. Vielmehr können Zielkonflikte untersucht werden: Wie lassen sich wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz verbinden? Wer entscheidet darüber, was Fortschritt bedeutet? Wem gehören natürliche Ressourcen? Welche Bedürfnisse sind berechtigt? Wann wird Wohlstand auf Kosten anderer Menschen oder der Natur geschaffen? Das Medium selbst verdeutlicht diese Spannungen anhand von Bergbau, Erdölförderung, Infrastrukturprojekten und Eingriffen in indigene Territorien.
Für eine kontroverse Auseinandersetzung eignet sich ein Rollenspiel oder eine moderierte Diskussion zu einem fiktiven Rohstoffprojekt. Lernende übernehmen beispielsweise die Perspektiven einer indigenen Gemeinschaft, einer Regierung, eines Unternehmens, einer Umweltorganisation und der Bevölkerung einer wirtschaftlich benachteiligten Region. Vor der Diskussion erarbeiten sie aus dem Medium Argumente für ihre jeweilige Position. Entscheidende Kriterien können Menschenrechte, Arbeitsplätze, Wohlstand, Schutz der Natur, kulturelle Identität, Selbstbestimmung, Gemeinwohl und Verantwortung für kommende Generationen sein. Anschließend verlassen die Lernenden ihre Rollen und formulieren ein persönliches Urteil. Die im Medium dargestellten Konflikte in Ecuador und Bolivien eignen sich hierfür besonders, da dort Buen Vivir politisch verankert wurde und zugleich erhebliche Spannungen zwischen diesem Anspruch und der Rohstoffpolitik beschrieben werden.
Im Religionsunterricht bietet sich darüber hinaus ein Vergleich mit christlichen Vorstellungen an. Die Lernenden können Motive des Buen Vivir mit biblischen und christlich ethischen Vorstellungen von Schöpfungsverantwortung, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Solidarität und einem Leben jenseits einer ausschließlichen Orientierung an Besitz vergleichen. Dabei sollte nicht vorschnell behauptet werden, beide Traditionen sagten dasselbe. Didaktisch ergiebiger ist die Frage, wo sich Berührungspunkte zeigen und wo unterschiedliche religiöse und kulturelle Begründungen bestehen. Daraus kann ein interreligiöses und interkulturelles Gespräch über Menschenbilder, Naturverständnisse und Vorstellungen eines gelingenden Lebens entstehen.
Eine weitere Vertiefung ermöglicht die Beschäftigung mit Menschenrechten und den Rechten indigener Völker. Das Medium behandelt die ILO Konvention 169, die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker sowie Entscheidungen des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Dabei stehen insbesondere Beteiligung, Selbstbestimmung, kulturelle Identität, gemeinschaftliches Eigentum und die vorherige Konsultation betroffener Gemeinschaften im Mittelpunkt. Lernende können daraus Kriterien für gerechte politische Entscheidungen entwickeln und diese anschließend auf konkrete Konfliktbeispiele des Mediums anwenden.
Als Abschluss bietet sich eine Rückkehr zur Ausgangsfrage nach dem guten Leben an. Die Lernenden können ihre ursprünglichen Vorstellungen überprüfen und ein persönliches Konzept guten Lebens formulieren. Dabei sollten sie begründen, welche Rolle Gemeinschaft, Konsum, Natur, Gerechtigkeit, Spiritualität, Freiheit und Verantwortung für sie spielen. Besonders handlungsorientiert wird der Abschluss, wenn aus der Auseinandersetzung konkrete Möglichkeiten für den eigenen Alltag entwickelt werden. Das Medium selbst fordert dazu auf, Konsum, Energieverbrauch, Rohstoffpolitik und wirtschaftliche Modelle zu überdenken und daraus persönliche Konsequenzen abzuleiten. Damit kann Buen Vivir im Religionsunterricht zu einem Impuls werden, die Frage nach dem guten Leben mit der Frage nach dem guten Zusammenleben und der Verantwortung für Mitmenschen und Natur zu verbinden.
In einem ersten Schritt wird über eine Bildanalyse eine Definition von gutem Leben entwickelt. Dazu werden Begriffe wie Essen, Bildung, Gemeinschaft etc. über die Personen im beigefügten Bild erschlossen und z.B. als Mindmap festgehalten. Ein zweiter Schritt thematisiert die Welt heute in ihrer Armut. Dazu wird ein Ausschnitt eines Hirtenbriefes der bolivianischen Bischofskonferenz erarbeitet. In einem dritten Schritt werden Konzepte der Armutsbekämpfung anhand von Projekten von Adveniat erarbeitet. Dabei unterstützen Impulsfragen zu Kurztexten und Bildern. In Gruppen- oder Einzelarbeit werden je drei Ziegelsteine aus Karton mit Begriffen zu Trennung und Armut beschriftet. Dann sollen die Kartonsteine durch weitere Begriffe zur Gemeinschaft und Armutsbekämpfung auf Pappstreifen verbunden werden. Es wird in Gruppenarbeit ein Glücksrezept für ein gutes Leben entwickelt. In einem nächsten Schritt werden Handlungsmöglichkeiten gefunden. Wasser sparen, Fairtrade Produkte kaufen und andere Möglichkeiten werden zusammengetragen. Die bolivianische Bischofskonferenz hat in einem Schreiben ihre Aktionen und Schwerpunkte zur Armutsbekämpfung und zur Bewahrung der Schöpfung festgehalten. Diese werden mit der eigenen Zusammenstellung verglichen und ergänzt.