Didaktisch eignet sich das Medium besonders für einen Religionsunterricht, der religiöse und weltanschauliche Orientierung mit der Förderung von Urteilsfähigkeit und Medienkompetenz verbindet. Eine besondere Stärke besteht darin, Scientology nicht ausschließlich über ungewöhnlich wirkende Glaubensinhalte zu thematisieren. Stattdessen können Lernende zunächst danach fragen, welche Bedürfnisse Menschen für Gemeinschaften und deren Versprechen empfänglich machen. Fragen nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Außenseitertum und den Gründen für den Eintritt in eine Sondergemeinschaft ermöglichen einen lebensweltlichen Zugang, wie ihn bereits das Material vorsieht. Von dort aus empfiehlt sich eine schrittweise Versachlichung. Lernende können zunächst eigene Vorstellungen zum Begriff Sekte sammeln und diese anschließend mit dem Begriff der religiösen Sondergemeinschaft und den im Medium vorgestellten Beurteilungskriterien vergleichen. Besonders ergiebig ist eine Kriterienarbeit, bei der Kleingruppen einzelne Merkmale untersuchen und begründen, weshalb beispielsweise ein absoluter Wahrheitsanspruch, die Einschränkung von Außenkontakten, finanzielle Abhängigkeit oder die Behinderung eines Austritts problematisch sein können. Damit wird vermieden, eine Gemeinschaft allein deshalb abzuwerten, weil ihre Überzeugungen fremd oder ungewöhnlich erscheinen. Die Lernenden entwickeln stattdessen nachvollziehbare Kriterien für ein begründetes Urteil. Ergänzend lässt sich die Religionsfreiheit thematisieren. Das Medium verweist darauf, dass das Grundgesetz sowohl die Freiheit zum religiösen Bekenntnis und zum Beitritt als auch die Freiheit zum Austritt und zum Wechsel einer Religionsgemeinschaft schützt. Besonders geeignet ist anschließend die im Material vorgesehene Auseinandersetzung mit der Selbstdarstellung Scientologys. Lernende können untersuchen, mit welchen sprachlichen und visuellen Mitteln Bedürfnisse nach Erfolg, Sicherheit, Selbstverbesserung, Gemeinschaft und Orientierung angesprochen werden. Das Material schlägt hierzu ausdrücklich eine Analyse des Internetauftritts vor und verbindet diese mit der Frage nach seiner Wirkung. Methodisch kann die Analyse durch Leitfragen strukturiert werden: Welche Probleme werden angesprochen? Welche Lösung wird versprochen? Welches Menschenbild wird vermittelt? Wie wird Vertrauen erzeugt? Welche Informationen stehen unmittelbar zur Verfügung und welche bleiben zunächst unsichtbar? Werbliche Selbstdarstellungen sollten dabei nicht unkommentiert als Sachinformation verwendet, sondern konsequent als interessengeleitete Quellen untersucht werden. Danach können die Lernenden die Selbstdarstellung mit den Sachinformationen des Mediums vergleichen und zwischen Behauptung, religiöser Überzeugung, Werbung und überprüfbarer Information unterscheiden. Das im Material vorgesehene Rollenspiel bietet schließlich die Möglichkeit, persuasive Kommunikationsstrategien handelnd zu erkennen. Religionspädagogisch sollte dabei weniger das möglichst überzeugende Nachspielen von Manipulation im Mittelpunkt stehen als die anschließende Reflexion: Welche Aussagen haben angesprochen? Wann entstand sozialer Druck? Welche Bedürfnisse wurden angesprochen? Woran lassen sich problematische Einflussversuche erkennen? Welche Möglichkeiten gibt es, Grenzen zu setzen oder Hilfe zu suchen? Als Abschluss eignet sich ein begründetes Urteil zur Leitfrage „Sekte oder Selbsthilfe?“. Dabei sollten Lernende ihre Einschätzung anhand transparenter Kriterien formulieren und zwischen der Freiheit religiöser Überzeugungen einerseits und problematischen Organisationsformen oder Praktiken andererseits unterscheiden. Auf diese Weise unterstützt das Medium nicht nur Sachwissen über Scientology, sondern vor allem religiöse Urteilsbildung, Perspektivbewusstsein, Medienkritik und die Fähigkeit, weltanschauliche Angebote selbstständig zu prüfen.
Der Einstieg gelingt durch die Ermittlung von Vorwissen mithilfe einer Selbstanalyse zur Bedeutung von Gruppenzugehörigkeit. Dazu werden fünf Fragen beantwortet. Ein zweiter Schritt stellt acht Charakteristika von Sekten vor. Diese werden dann nach Unzumutbarkeit bewertet, indem Klebepunkte verteilt werden. Andere Auswahlmöglichkeiten sind denkbar. Anschließend wird Scientology als Sektenbeispiel erarbeitet, indem die darstellten Charakteristika dort ermittelt und deren Wirkungen diskutiert werden. Eine Webrecherche zu Scientology ist vorgesehen, kann jedoch mithilfe des Materials auch umgangen werden. Basierend auf den Sektencharakteristika und Scientology sollen die Lerner/innen nun eine eigene Sekte entwickeln. Dabei wenden sie die Techniken und Strukturen einer Sekte an und vertiefen sich so in deren Vorgehensweisen. Eine wiedererkennen der Strukturen in der eigenen Lebenswelt wird somit erleichtert und eine unbewusste Partizipation an solchen Gruppen wird unwahrscheinlicher. Der ARD Film Bis nichts mehr bleibt zeigt (89 Minuten), wie das Leben von Menschen durch Sekten zerstört werden kann. Abschließend werden in M6 der Filmausschnitte ausgewertet. Der Link zum YouTube- Film ist auf RU-Digital zu finden.
Der Film zum Vorgehen von Scientology (01:29:30 Minuten) ist weiter unten zu als Teil von RU-Digital zu finden.