Unterrichtsentwürfe sind formale Planungsdokumente mit schlechtem Ruf unter Lehrkräften, gelten sie doch als weltferne Feiertagsdidaktik. Der Autor verdeutlicht jedoch, dass ein durchdachter Entwurf eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für erfolgreichen Unterricht darstellt, da die konkrete Unterrichtsinteraktion letztlich entscheidend ist. Unterrichtsentwürfe sind Konstrukte auf Widerruf, die Unterrichtsmöglichkeiten abbilden, aber durch die Unterrichtswirklichkeit in Frage gestellt werden können. Dennoch leisten Entwürfe unverzichtbare Dienste, indem sie Bedingungen analysieren, Ziele klären, Verläufe antizipieren und Reflexionskriterien formulieren. Sie sind sowohl in institutionelle Rahmen eingebunden als auch in die Selbstreflexion professioneller Lehrkräfte, wobei schriftliche Planung zur Gedankenklärung beiträgt. Im institutionellen Kontext fungieren Entwürfe als Nachweis erworbener Planungskompetenz und als Ritual der Professionalisierung. Ein Entwurf stellt das letzte Glied einer Planungskette dar und konzentriert die gesamte Planungsproblematik. Die Beurteilung sollte nicht danach erfolgen, wie genau Planung und Durchführung übereinstimmen, sondern ob die Planung flexibles Handeln und produktive Lernprozesse ermöglicht. Der Artikel betont, dass Prüfer Entwürfe unter sehr unterschiedlichen Erwartungen lesen und Lehrkräfte ihre Entwürfe als adressatenbezogene Textsorten verstehen sollten.