Der Lexikonartikel analysiert das Konzept der Toradidaktik, das eine bislang vernachlässigte Dimension der christlichen Religionspädagogik beschreibt. Die Tora (die fünf Bücher Mose) erhält in evangelischen und katholischen Lehrplänen deutlich weniger Aufmerksamkeit als narrative oder prophetische Bibeltexte. Dies wird exemplarisch an niedersächsischen Kerncurricula gezeigt, wo Toratexte nur fragmentarisch, thematisch selektiv und ohne Vermittlung ihrer Eigenlogik und Bedeutung für das Judentum behandelt werden. Der Artikel dokumentiert, dass diese Lücke zu antijüdischen Stereotypen und Missverständnissen des jüdischen Toraverständnisses führt, wie empirische Studien belegen. Während gemeindepädagogische Kontexte wie der Kindergottesdienst alttestamentliche Stoffe stärker berücksichtigen, fehlt im religionspädagogischen Diskurs eine systematische Auseinandersetzung mit alttestamentlicher Exegese und jüdischer Religionspädagogik. Toradidaktik als programmatischer Begriff fordert daher eine dreifache Neubewertung: erstens die unterrichtliche Würdigung der Tora als eigenständiger Textcorpus, zweitens die Rezeption jüdisch-theologischer Perspektiven und drittens den Dialog mit jüdischer Religionspädagogik. Der Artikel unterstreicht die zentrale Rolle der Tora in der Hebräischen Bibel durch ihre häufige Erwähnung (220 Vorkommen) und ihre strukturelle Komposition. Eine gelingende Toradidaktik müsse die Mehrdeutigkeit des Torabegriffs klären und die komplexe Interpretationsgeschichte in Christentum und Judentum berücksichtigen, um antijüdische Verzerrungen zu überwinden und authentische interreligiöse Lernprozesse zu ermöglichen.