Der WiReLex-Artikel von Janine Eichler und Nadine Tramowsky widmet sich der Tierethik als Gegenstand der Religionspädagogik. Er dokumentiert die wachsende gesellschaftliche Relevanz tierethischer Diskurse, beispielsweise durch Skandale in der Lebensmittelindustrie und die dramatische Steigerung der Fleischproduktion in Deutschland seit den 1990er Jahren. Der Artikel argumentiert, dass das Fach Religion eine hohe Verantwortung bei der Vermittlung tierethischer Fragen trägt, da diese Alltags- und Gesellschaftsrelevanz mit theologischen, philosophischen und rechtlichen Perspektiven verknüpft. Die Autoren betonen die Notwendigkeit einer Multiperspektivität, da bisherige Schülerurteile oft monoperspektivisch geprägt sind. Die rechtsliche Analyse zeigt Widersprüche zwischen dem Tierschutzziel des Grundgesetzes und praktischen Ausnahmeregelungen in der Nutztierhaltung, die wirtschaftliche Interessen privilegieren. Der Artikel integriert biologische Erkenntnisse über Tierkognition und -verhalten, historische philosophische Positionen (insbesondere Descartes) und aktuelle ethische Debatten. Die fachdidaktische Perspektive fordert eine Verbindung von Empathieschulung, Wahrnehmungsförderung und analytischer Urteilsbildung. Abschließend wird deutlich, dass eine umfassende religionspädagogische Behandlung von Tierethik Wissen aus Philosophie, Biologie, Psychologie, Sprache, Gesellschaft und Recht erfordert.