Der Artikel analysiert Tanz als automotorische, performative Bewegung, die transitorische Figurationen hervorbringt und auf ästhetische Attraktionen ausgerichtet ist. Tanz gestaltet durch körperliches Medium Kraft, Zeit, Raum und Form und schließt zugleich Ruhe und Stillstand ein. Als zugängliches Medium zur Gestaltung des Selbst- und Weltverhältnisses ist Tanz gleichzeitig Kunstform mit leiblicher Resonanz, die elementare Dimensionen menschlichen Lebens eröffnet. Der Artikel würdigt Tanz als originäres Kulturphänomen mit anthropologischen, soziokulturellen und religiösen Dimensionen. Biblisches Denken versteht den Menschen nicht dualistisch, sondern als Einheit von Leib und Seele, weshalb Gottesbeziehung und Körpererfahrung zusammengedacht werden. Während Tanz in der frühen Kirche präsent war, führte kirchliche Opposition zu seinem Ausschluss aus der christlichen Spiritualität, obwohl Spuren in Liturgie und Prozessionen erhalten blieben. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts etabliert sich Kirchentanz als Medium von Gebet, Meditation und spiritueller Erfahrung in ökumenischer Offenheit. Theologische Arbeiten argumentieren mit der Dynamik des Glaubens, der freimachenden Rechtfertigung und der Flüchtigkeit als Sinnbild der Vergänglichkeit. Das Medium Tanz ist konstitutiv auf Leiblichkeit bezogen, wobei Körperwahrnehmung und -bewegung zentrale Lernprozesse ermöglichen. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Emotionalität das zentrale Steuerungselement des Menschen ist und Körper sowie Bewegung der Ursprung von Lernen darstellen. Der performative Charakter des Tanzes ermöglicht Zugang zu unverfügbaren Erfahrungen im Sinne von Momenten intensiver Präsenz und Sinnstiftung.