Der Lexikonartikel behandelt Spiritualität als mehrdimensionales Konzept, das sich vom lateinischen Wort spiritus (Atem, Geist) herleitet und individuelle mentale Erfahrungen von Selbsttranszendenz ausdrückt. Der Autor Matthias Gronover erörtert biblische Traditionen der Spiritualität vom hebräischen ruach bis zur christlichen Trinitätslehre und vergleicht diese mit spirituellen Praktiken im Islam (Gebet, Fasten, sufistische Mystik) sowie in anderen Religionen wie dem Buddhismus. Parallel werden säkulare Ausprägungen von Spiritualität als Selbstverortung in ökologischen Netzwerken von Mensch, Natur und Umwelt dargestellt, die in der späten Moderne durch Achtsamkeit, Yoga und ähnliche Praktiken sichtbar werden. Alle spirituellen Auslegungsstränge teilen drei zentrale Merkmale: Sie betreffen den Zusammenhang von Sinn und Dasein, basieren auf der Erkenntnis, dass Menschen Lebenssinn nicht selbst herstellen, und folgen einem Änderungsimperativ durch Ritualisierung und Wiederholung. Für Lehrende in religiösen Bildungsprozessen ist Spiritualität besonders bedeutsam, da sie zur kognitiven Selbstständigkeit, zur Wertschätzungskultur und zur Schaffung von Freiräumen für Lernende beiträgt. Die Spiritualität von Lehrenden fördert ihre intrinsische Motivation, ihre Gesundheit und Zufriedenheit und resultiert nachweislich in qualitativ besseren Unterrichtsprozessen. Der Artikel unterstreicht, dass Spiritualität als Bindeglied zwischen Religionen und zwischen religiösen und säkularen Weltanschauungen fungiert und für die Religionspädagogik angesichts des Plausibilitätsverlusts institutioneller Religionen zunehmend an Bedeutung gewinnt.