Der Artikel von Ilona Nord untersucht das Phänomen Sexualität aus multiplen wissenschaftlichen, kulturellen und religiösen Perspektiven. Empirische Daten der Repräsentativbefragung Jugendsexualität zeigen einen Wandel der Informationsbeschaffung: während Eltern an Bedeutung verlieren, gewinnt das Internet rapide an Einfluss, wobei geschlechtsspezifische Unterschiede in der Nutzung bestehen. Schulische Sexualaufklärung ist in Deutschland flächendeckend verankert, mit Lehrkräften als wichtigen Vermittlern. Der Text definiert Sexualität als Grundvollzug menschlichen Lebens mit multiple Dimensionen (physisch, psychisch, emotional, sozial, religiös) und unterschiedlichen Ausprägungen von Geschlechtsidentität. Während traditionelle biologisch-naturwissenschaftliche Ansätze Sexualität auf Körperfunktion und Trieb reduzieren, wird in kulturwissenschaftlichen Perspektiven erkannt, dass sexuelle Wahrnehmung immer kulturell und kontextuell vermittelt ist. Foucault zeigt, wie kulturelle Machtstrukturen sexuelle Orientierungen normativisieren. In der abendländischen christlichen Tradition wurde Sexualität primär mit der Institution Ehe verbunden, wobei katholische und evangelische Traditionen unterschiedliche Sakralizierungskonzepte entwickelten. Contemporäre theologische Entwürfe erweitern den Blick auf verschiedene Lebensformen, während psychoanalytische Diskurse Sexualität als komplexes, kulturell vielfältiges und in interpersonalen Beziehungen konstituiertes Phänomen verstehen.