Der Artikel von Manuel Stinglhammer behandelt Lernstrategien als Verhaltensweisen und Einstellungen, die die Lerneffizienz zielgerichtet steigern und die Aneignung sowie den Transfer von Wissen begünstigen. Er unterscheidet drei Hauptkategorien: kognitive Strategien (Wiederholung, Elaboration, Organisation), metakognitive Strategien (Selbstbeobachtung und Überwachung des Lernens) sowie ressourcenorientierte und affektive Strategien (Monitoring von internen und externen Ressourcen). Kognitive Strategien werden weiter differenziert: Wiederholungsstrategien dienen der langfristigen Speicherung von Fakten, Elaborationsstrategien verbinden neue Inhalte mit Vorwissen, und Organisationsstrategien komprimieren und strukturieren Lerninhalte. Im Gegensatz dazu weisen metakognitive Strategien eine selbstreflexive Komponente auf. Neurowissenschaftlich wird Lernen als Verknüpfungsprozess verstanden, bei dem neue Informationen mit bestehenden Gehirnstrukturen verbunden werden, wobei die Leitlinie "use it or lose it" gilt. Ein kritischer Befund ist, dass viele schulische Interventionen zu Lernstrategien zwar existieren, jedoch oft nur auf kognitive Strategien fokussieren und eine mangelnde Integration in den konkreten Unterricht aufweisen. Der Artikel betont, dass erfolgreiche Lernstrategien drei Wissensarten erfordern: deklaratives Wissen (Kenntnis der Strategien), prozedurales Wissen (praktische Anwendung) und konditionales Wissen (Wissen um situationsgerechte Anwendung). Zentral ist die Forderung nach systematischer Einübung im Unterrichtskontext mit professioneller Begleitung, regelmäßigem Feedback zur Qualität des Strategieeinsatzes und der Erkenntnis, dass die Kombination kognitiver und metakognitiver Strategien nachweislich zu höheren Erfolgen führt. Das übergeordnete Ziel ist die Befähigung zu selbstreguliertem Lernen, wobei der Lernende eigenständig seine Lernziele formulieren, planen, durchführen, überwachen und regulieren kann. Abschließend unterstreicht der Artikel, dass schulisches Lernen nicht auf kognitive Aspekte reduziert werden darf, sondern auch emotionale, motivationale, volitionale und Einstellungsdimensionen berücksichtigen muss.