Das Leitfadeninterview ist eine in der religionspädagogischen Forschung weit verbreitete Erhebungsmethode, die qualitative Daten durch strukturierte Gespräche gewinnt. Es handelt sich um einen Metabegriff, der verschiedene Interviewformen subsumiert, die alle auf einem vorab formulierten Fragegerüst basieren. Der Leitfaden erfüllt mehrere Funktionen: Er gibt dem Interview thematische Grenzen, strukturiert den Kommunikationsprozess, dient als Gedankenstütze für Forschende und ermöglicht Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Interviews. Die Methode folgt dem interpretativen Paradigma und realisiert die Prinzipien Offenheit, Prozesshaftigkeit und Kommunikation. Das Leitfadeninterview wird als halbstrukturierte bzw. teilstandardisierte Methode charakterisiert, die eine Balance zwischen Vergleichbarkeit und Sensibilität für die Wirklichkeitsdeutung der Befragten anstrebt. Es basiert auf einem deduktiv-induktiven Wechselspiel zwischen vorhandenen Theorien und neuen empirischen Erkenntnissen, was es besonders für explorative Projekte geeignet macht. Für die Religionspädagogik ist die Methode vorteilhaft, da sie es ermöglicht, sensible und private Themen wie religiöse Vorstellungen, Motive und Gefühle in einer persönlichen Begegnung behutsam zu erforschen. Es gibt verschiedene Varianten des Leitfadeninterviews, die sich im Grad ihrer theoretisch-methodologischen Durchdringung und ihrem Standardisierungsgrad unterscheiden, beispielsweise problemzentrierte oder themenzentrierte Interviews. Bei der Gestaltung ist auf angemessenes Sprachniveau, Verständlichkeit der Fragen und Nähe zu alltäglichem Sprechen zu achten. Für den religionspädagogischen Kontext wird die face-to-face-Einzelvariante gegenüber anonymen Formen bevorzugt, um die nötige Vertrautheit zu schaffen.