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Hans MendlWiReLex | Deutsche Bibel Gesellschaft

Hans Mendl,

WiReLex | Deutsche Bibel Gesellschaft

Konstruktivistischer Religionsunterricht

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Artikel erläutert, wie konstruktivistische Lerntheorien einen modernen, subjektorientierten Religionsunterricht wissenschaftlich begründen können. Statt Schüler als passive Empfänger absoluter Wahrheiten zu verstehen, sieht der konstruktivistische Ansatz sie als aktive Subjekte, die ihre Wirklichkeit durch individuelle Deutungsprozesse selbst konstruieren. Der Artikel zeigt, wie diese Perspektive verschiedene zeitgenössische religionsdidaktische Ansätze (ästhetisch, lebensweltlich, performativ, kindertheologisch) zusammenbindet und gleichzeitig Platz für notwendige Instruktionen durch Lehrkräfte lässt. Ziel ist es, Schüler zu befähigen, Religion eigenständig zu verstehen und in komplexen Kontexten ihre Bedeutsamkeit zu erkennen.

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Hans Mendl argumentiert, dass konstruktivistische Theorien eine lerntheoretische Grundlage für den modernen subjektorientierten Religionsunterricht bieten. Der Artikel situiert diese Forderung historisch im Paradigmenwechsel, den das II. Vatikanische Konzil eingeleitet hat – von einer deduktiven Katechese mit vorgefertigten Wahrheiten hin zu einem Verständnis, das die Lernenden als Subjekte in den Mittelpunkt rückt. Nach konstruktivistischer Erkenntnistheorie ereignet sich Weltwahrnehmung und -deutung nach individuellen Mustern; Wirklichkeit wird nicht objektiv erkannt, sondern im wahrnehmenden Subjekt konstruiert. Mendl differenziert zwischen verschiedenen konstruktivistischen Theorien aus Neurobiologie, Systemtheorie und Pädagogik und destilliert einen kleinsten gemeinsamen Nenner: individuelle Weltkonstruktionen entstehen durch Sinneseindrücke, Filterprozesse und biografisch erarbeitete Deutungsmuster. Im lerntheoretischen Kontext bedeutet dies konkret, dass Lernen ein aktiver Prozess ist, in dem Lernende Vorwissen und Emotionen einbringen und Inhalte selbstständig rekonstruieren. Besonders produktiv wird Lernen, wenn Inhalte in komplexen, lebensbedeutsamen Kontexten präsentiert und mehrfach in neuen Kontexten verarbeitet werden. Der Artikel betont das Paradox eines pädagogischen Konstruktivismus: Er muss innerhalb institutionell geplanter Lernprozesse realisiert werden, wobei instruktive Phasen notwendig sind und mit individuellen sowie ko-konstruktiven Phasen abgewechselt werden müssen. Das Ziel ist nicht die Elimination von Lehrinhalten oder Lehrpersonen, sondern die Ausbildung individueller Lernlandschaften, die gleichzeitig zu Pluralitätsfähigkeit führen.

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