Kindertheologie hat sich seit etwa 20 Jahren als etabliertes religionspädagogisches Konzept entwickelt, das Kindern ein Recht auf religiöse Bildung und eigenständige theologische Auseinandersetzung zusichert. Dabei geht es nicht um Vermittlung fertiger Inhalte, sondern um aktive Aneignung: Kinder bringen ihre eigenen theologischen Gedanken hervor, die wahrgenommen, gedeutet und dann differenziert werden. Kindertheologische Kompetenz wird als empirisch fassbare, kognitive Fähigkeit definiert, die sich in der Artikulation und Weiterentwicklung eigener Gedanken zu theologischen Fragen zeigt und in verschiedenen Denkweisen (narrativ, metaphorisch, analytisch) ausdrückt. Diese Kompetenz ist erlernbar, überprüfbar und ausbaufähig und lässt sich anhand formaler und inhaltlicher Kriterien analysieren. Die Wurzeln dieses Ansatzes reichen zurück bis zur antiken Wahrnehmung von Kindern und verdichten sich in reformpädagogischen und empirisch-theologischen Traditionen. Der explizite Diskurs zur Kindertheologie beginnt 1992 und intensiviert sich ab 2002 mit Gründung des Jahrbuchs für Kindertheologie. Kindertheologie orientiert sich an systematisch-theologischen Traditionen und bezieht sich konstitutiv auf die biblische Geschichte Gottes mit dem Menschen, wodurch sie sich von der Kinderphilosophie unterscheidet, mit der sie aber methodisch verwandt ist. Wichtige Impulse kamen aus der Kinderphilosophie, die das Vertrauen in kindliche Kompetenzen unterstreicht und methodische Ansätze wie das sokratische Gespräch beiträgt. Parallel zur Kindertheologie hat sich seit 2010 auch eine Jugendtheologie etabliert.