Der katholische Kindergottesdienst ist ein historisch junges Phänomen, das erst mit der modernen Pädagogik und der Liturgischen Bewegung entstand. Im Gegensatz zum klassischen Ideal der undividierten Gemeinde als Leib Christi ermöglicht der Kindergottesdienst heute eine altersgerechte Partizipation von Kindern an der Liturgie. Zentral für diese Entwicklung ist die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils mit ihrem Verständnis der Liturgie als Dialog zwischen Gott und den versammelten Menschen. Das römische Direktorium für Kindermessen (1973) öffnete neue Möglichkeiten, die Liturgie den Kindern angepasst zu gestalten (menschenfähige Liturgie) und Kinder auf das liturgische Geschehen vorzubereiten (Liturgiefähigkeit). Die Liturgiekatechese spielt dabei eine wichtige Rolle, sowohl als propädeutische Vorbereitung als auch als mystagogische Erschließung innerhalb des Gottesdienstes. Historisch nahmen Kinder zunächst als vollwertige Gemeindeglieder an frühchristlichen Eucharisiefeiern teil, verloren diese Rolle aber mit der Latinisierung und Klerikalisierung der Liturgie im Mittelalter. Erst mit Aufklärung und Neuzeit kam es zur Fokussierung auf Glaubensunterweisung und später zur Pädagogisierung des Kindergottesdienstes. Der Artikel kritisiert das problematische Verhältnis zwischen Liturgik und Religionspädagogik: Liturgiker hätten die praktische Teilhabe von Kindern lange vernachlässigt, während Religionspädagogen den katechetischen Aspekt überbetonten und den Feiercharakter gefährdet hätten. Eine gelungene Kindergottesdienst-Praxis erfordert sowohl eine bewusst und tätig vollzogene, gut gefeierte Liturgie als auch eine Liturgiekatechese, die Kinder in das Geheimnis der Gottesbegegnung führt.