Der Artikel analysiert Jugend aus biologisch-entwicklungspsychologischer und kultureller Perspektive als eine Lebenslage zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, die der sozialen Integration und Identitätsbildung dient. Historisch wurde die Jugendphase erst im 18. und 19. Jahrhundert durch zwei parallele Prozesse etabliert: die Familialisierung in der bürgerlichen Gesellschaft und die systematische Pädagogisierung durch Schulpflicht und Ausbildungssysteme. Der Artikel bezieht sich auf Havighursts Konzept der Entwicklungsaufgaben, wonach Jugendliche kulturelle Erwartungen und gesellschaftliche Anforderungen bewältigen müssen, und auf Eriksons Identitätskonzept, das Adoleszenz als Phase der Identitätsfindung versteht. Erikson beschreibt das soziale Moratorium als zeitlich befristete Phase, in der Jugendliche Probeidentitäten entwickeln können, während sie gleichzeitig gesellschaftlich integriert werden sollen. Dies führt zu einem Strukturdilemma zwischen Individualisierung und Integration. Klassisch markierten berufliche Etablierung oder Eheschließung den Übergang zum Erwachsenenalter, doch in der reflexiven Moderne hat sich dieser Übergang fragmentiert und verzögert. Der Artikel argumentiert, dass die plurale und funktional differenzierte moderne Gesellschaft es Jugendlichen zunehmend schwerer macht, eine stabile Identität zu entwickeln und gesellschaftliche Platzierung zu sichern, was zu einer Verlängerung und Destabilisierung der Jugendphase führt.