Der Artikel behandelt Israiliyat als eine Kategorie von Texten in der islamischen Exegese- und Literaturgeschichte, die jüdische, christliche und andere vorislamische Traditionen aufweisen. Diese Texte wurden zunächst mündlich tradiert und später verschriftlicht, entstanden durch die Vermittlung von Proselyten und Konvertiten zum Islam und finden sich in Korankommentaren, Prophetenbiographien und anderen religiösen Werken. Der Koran selbst war zunächst eine mündlich verkündete Botschaft, die sich an ein Publikum richtete, das mit jüdischen und christlichen Traditionen vertraut war, weshalb er einen allusiven und elliptischen Stil verwendete. Die Israiliyat fungierten als erklärende Traditionen, die diese Anspielungen verdeutlichten und das Verständnis des koranischen Textes ermöglichten, besonders für nachfolgende Generationen, die räumlich und zeitlich weiter von der Offenbarungszeit entfernt lebten. Der Artikel zeigt am Beispiel der Davidserzählung, wie Israiliyat theologische Debatten zwischen Judentum, Christentum und Islam widerspiegeln und dabei eigenständige theologische Akzente setzen. Die Israiliyat werden als Intertexte verstanden, die biblisches und post-biblisches Material aufnehmen und durch ihre Aufnahme in die islamische Tradition zu einem integralen Bestandteil derselben wurden. Der Artikel betont, dass Judentum, Christentum und Islam ein gemeinsames Erbe von Texten und deren Auslegungstraditionen teilen und dass Intertextualität ein zentrales Konzept für das Verständnis dieser Beziehungen ist. Die Israiliyat werden nicht als fremdes Material, sondern als organischer Bestandteil des interreligiösen Austauschs der Spätantike verstanden.