Der Lexikonartikel von Wolfhard Schweiker behandelt inklusive Lehr- und Lernprozesse als religionspädagogisches Leitprinzip in einer globalisierten, multikulturellen und multireligiösen Welt. Die UN-Behindertenrechtskonvention (2010) verpflichtet Staaten wie Deutschland, ein inklusives Bildungssystem zu schaffen, das alle Menschen unabhängig von ihren Merkmalen einbezieht und Diskriminierung abbaut. Der Autor identifiziert zentrale Antinomien zwischen rechtlichen Sollvorgaben und schulischer Realität sowie zwischen Haltungen und vorhandenen Kompetenzen. Inklusive Lehr- und Lernprozesse orientieren sich an Grundsätzen wie universaler Gültigkeit, Normalität von Heterogenität und egalitärer Differenz. Theologisch wird Inklusion durch Schöpfungs-, Anthropologie-, Christologie- und Trinitätstheologie begründet, wobei die Rechtfertigungslehre als bedingungslose Annahme des Menschen zentral ist. Die theologische Grundlage liegt in der Inklusion Gottes selbst und der von Gott ausgehenden Beziehung als Leitkategorie. Im Kontext des konfessionellen Religionsunterrichts entstehen besondere Herausforderungen durch organisatorische Rahmenbedingungen wie Randstunden, geringe Lehrkraftpräsenz und unzureichende personelle Ressourcen. Empirische Untersuchungen zur spezifischen Situation des inklusiven Religionsunterrichts sind bislang unterentwickelt. Der Artikel dokumentiert erste Einführungen und Arbeitshilfen zur inklusiven Religionspädagogik, weist aber auf Forschungs- und Materiallücken hin. Die kontinuierliche Beziehungsarbeit, Team-Teaching und die professionelle Passung zwischen Lernbedürfnissen und pädagogischen Kompetenzen sind zentrale Gelingensfaktoren, die häufig nicht realisiert werden können.