Der Artikel von Ruben Zimmermann behandelt Hermeneutik als wissenschaftliche Disziplin zur Reflexion der Bedingungen und Möglichkeiten des Verstehens. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen her und bedeutet ursprünglich Aussage, Auslegung und Übersetzung. Historisch entwickelte sich die Hermeneutik als eigenständige Verstehenslehre erst in der Neuzeit ab dem 16. Jahrhundert, wobei der Straßburger Theologe Dannhauer 1654 den Begriff erstmals im Titel eines Werkes zur biblischen Textauslegung verwendete. Der Artikel unterscheidet drei Aspekte des gegenwärtigen Hermeneutik-Verständnisses: als Methode der Textauslegung, als methodologische Grundlagenreflexion der Geisteswissenschaften und als universelle Interpretationsphilosophie. Die historische Entwicklung zeigt, dass die Auslegung autoritativer Texte, insbesondere der Bibel, der Hauptmotor für die Entwicklung hermeneutischer Theorien war. In der Antike sind Ansätze bei Origenes und Augustinus erkennbar, die einen mehrfachen Schriftsinn entwickelten. Die Reformation gab der Hermeneutik neuen Auftrieb, da Luther die Schrift als Gegengewicht zur Kirchentradition verstand. Schleiermacher prägte einen Meilenstein durch die Vermittlung zwischen grammatischer und psychologischer Interpretation sowie durch die Unterscheidung zwischen komparativer und divinatorischer Methode. Dilthey konzentrierte die Hermeneutik auf die Methodologie der Geisteswissenschaften, während Heidegger und Gadamer die Hermeneutik zu einer universalen Verstehenslehre erweiterten. Der Artikel hebt hervor, dass die Hermeneutik eng mit pädagogischen Fragen verbunden ist und sich dabei stellt, wie Verstehen in unterrichtlichen Kontexten ermöglicht werden kann.