Der Artikel analysiert die bibeldidaktische Vermittlung von Gleichnissen Jesu vor dem Hintergrund ihrer komplexen Auslegungsgeschichte. Jesus verwendete Gleichnisse nicht als theoretische Definitionen, sondern als prägende Erzählformen, um von Gott und dessen Herrschaft zu sprechen. Die allegorische Auslegungstradition, die über Jahrhunderte dominiert, versuchte verborgene Wahrheiten zu entschlüsseln, beeinflusst aber oft stark von theologischen Voraussetzungen. Adolf Jülicher revolutionierte die Interpretation durch seine Betonung des Vergleichs und des einen tertium comparationis, wobei er Gleichnisse als didaktische Instrumente verstand, allerdings mit einer Engführung auf Vergleichspunkte. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden neue Forschungsrichtungen: Historische Ansätze (Jeremias, Theißen/Merz) fragen nach der ursprünglichen Jesusstimme und sozialgeschichtlichen Kontexten. Theologisch-hermeneutische Ansätze (Fuchs, Via) betonen den Sprach- und Ereignischarakter sowie existenziale Dimensionen. Sprachlich-literarische Ansätze (Weder, Ricœur) heben die kreative Kraft der Metapher hervor und ihre semantische Innovation durch Inkompatibilität von Sinnbereichen. Rezeptionstheoretische Perspektiven untersuchen die Wirkungsgeschichte der Texte. Der Artikel betont, dass historische Rückfragen, theologische Interpretation und literarische Analyse zusammenwirken müssen, um die volle Bedeutung der Gleichnisse für Unterricht und Verständnis zu erschließen.