Das Erklärvideo ist ein modernes Lernmedium, das die lange Tradition von Bildungsmedien durch bewegte Bilder fortsetzt und aktuell eine zentrale Rolle in der Informationsbeschaffung von Jugendlichen spielt. Während bereits Thomas Edison im frühen 20. Jahrhundert das Potenzial bewegter Bilder für Bildungszwecke erkannte, führte das Bildungsfernsehen der 1970er Jahre nur zu begrenzttem Erfolg. Mit der 2005 gegründeten Plattform YouTube entstanden neue Möglichkeiten für professionelle und amateurhafte Videoproduktion, die Erklärvideos zu nahezu allen Themen ermöglichte. Die technische Infrastruktur und Internetverfügbarkeit bei Jugendlichen (99% Internetanschluss, 98% Smartphone-Besitz) ermöglicht intensive Nutzung: 22-32% der Jugendlichen nutzen Wissenformate täglich oder mehrmals pro Woche. Bedeutende Bildungskanäle wie Khan Academy, Mathe by Daniel Jung, simpleclub und maiLab demonstrieren die pädagogische Relevanz des Formats. Die Coronapandemie verstärkte den Einsatz von Lernvideos im schulischen Kontext erheblich, insbesondere als asynchrone Lernmedien im Distanzunterricht. Aus religionsdidaktischer Perspektive fehlten lange empirische Forschungen zum Einsatz von Erklärvideos. Der Artikel betont, dass offene Fragen bleiben, welche religiösen Inhalte sich für das Erklärvideo-Format eignen und wie tatsächliche Lerneffekte zu bewerten sind. Technisch niedrigschwellige Produktionsmöglichkeiten durch Smartphones ermöglichen zunehmend auch Lehrkräften die eigenständige Videoproduktion. Insgesamt stellt der Artikel Erklärvideos als ein Medium dar, das zwar großes Potential hat, dessen Einsatz aber einer kritischen religionspädagogischen Reflexion bedarf.