Der Artikel analysiert die kulturhistorische und religiöse Bedeutung des Mönchtums vom späten 2. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Obwohl Mönche und Nonnen im alltäglichen Leben kaum noch sichtbar sind, wirkt die monastische Tradition weiter in Stadtbenennungen, Produktnamen und kulinarischen Traditionen nach. Der Autor hebt die zentrale kulturelle Leistung der Klöster hervor: Sie waren Träger von Wissenschaft, Bildung und antiker Kultur und dokumentierten diese in Schreibstuben und Bibliotheken, was die Überlieferung von Werken wie Ciceros Schriften ermöglichte. Darüber hinaus wirkten Klöster als Zentren der Heilkunde, Landwirtschaft und Technologieentwicklung, insbesondere beim Weinanbau und Bierbrauen. Die anachoretische und koinobitische Lebensform entstand Ende des 2. Jahrhunderts als Christusnachfolge, wurde aber nicht einfach von antiken Vorbildern wie Stoa oder Buddhismus imitiert, sondern griff auf biblische Modelle zurück. In der Gegenwart zeigt sich eine Renaissance monastischer Praktiken: Führungskräfte-Seminare mit Abt Notker Wolf und Pater Anselm Grün, Klosterbesuche und Exerzitien erleben regen Zuspruch. Das Fasten wird auch von säkularen und kirchenfernen Familien als Mittel der Selbstreflexion und Konsumkritik genutzt. Die Communauté de Taizé verkörpert eine moderne Form der klösterlichen Öffnung für Jugendliche aller Konfessionen. Die COVID-19-Pandemie hat das Thema der Abgeschiedenheit aktualisiert, wobei sich gezeigt hat, dass erzwungene Isolation unterschiedlich ist vom bewussten eremitischen Rückzug. Der Artikel demonstriert damit, dass monastische Werte in einer entregelten, reizüberfluteten Gesellschaft nach wie vor bedeutsam sind.