Der Artikel erörtert die methodologischen Grundlagen empirischer Religionspädagogik durch eine Analyse des Begriffs Empirie. Empirie fungiert dabei in zwei Funktionen: als Materialobjekt umfasst sie die konkreten Forschungsgegenstände wie Religionsunterricht, Jugendreligiosität und Lehrereinstellungen; als Formalobjekt bezeichnet sie die wissenschaftliche Methodologie zur Erkenntnisgewinnung. Diese Doppelfunktion ermöglicht es der Religionspädagogik, sowohl praxisnah zu bleiben als auch wissenschaftliche Rigorosität zu gewährleisten und sich als eigenständige Disziplin zu profilieren. Der Autor präsentiert drei wissenschaftstheoretische Grundpositionen: Der Positivismus entwickelt Theorien induktiv aus Beobachtungen ohne vorherige Hypothesen; der Kritische Rationalismus arbeitet mit Hypothesen, die falsifizierbar sein müssen; der Pragmatismus integriert den gesamten Forschungsprozess einschließlich der Hypothesengenerierung durch Abduktion. Während Positivismus und Kritischer Rationalismus separieren zwischen Entdeckungs- und Begründungskontext, betont der Pragmatismus deren Integration. Der Artikel argumentiert, dass empirische Religionspädagogik ihre methodologischen Entscheidungen explizit reflektieren sollte, um intersubjektiv überprüfbare Erkenntnisse zu generieren. Die ideale Form verbindet empirisches Materialobjekt mit empirischem Formalobjekt und schafft damit Anschlussfähigkeit zu benachbarten empirischen Wissenschaften wie Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaft.