Der Artikel behandelt Christenlehre als Sammelbezeichnung für verschiedene Formen der kirchlich-gemeindlichen Arbeit mit Kindern im Grundschulalter, die primär in ostdeutschen evangelischen Landeskirchen etabliert ist. Die theologische Begründung leitet sich vom Katechumenat ab und zielt darauf, Kindern einen systematisch geordneten Umgang mit dem christlichen Glauben zu vermitteln und ihre Teilhabe an der sozialen Glaubenspraxis zu ermöglichen. Der Artikel unterscheidet verschiedene Formengruppen von Christenlehre, von wöchentlichen altersspezifischen Gruppenstunden bis zu offeneren altersübergreifenden Angeboten. Als charakteristische Merkmale werden Systematik, Kontinuität, Gruppenbezogenheit, Verbindlichkeit, Ganzheitlichkeit und professionelle Begleitung identifiziert. Im Vergleich zur katholischen Katechese zeigen sich Unterschiede im Curriculum und in der Zielbestimmung, während es Parallelen zur evangelischen Gemeindepädagogik gibt. Empirische Daten sind schwer zu erheben, da unterschiedliche Formate und Bezeichnungen einen Vergleich erschweren. Statistiken aus Sachsen zeigen einen Rückgang der Teilnehmerzahlen von 1989 bis 2004 um etwa zwei Drittel, gefolgt von relativer Stabilisierung. Eine umfangreiche Untersuchung von 2014 bescheinigt kontinuierlichen Gruppenangeboten hohe Wirksamkeit und zeigt, dass Mitarbeitende die Förderung von Gemeinschaft und das Erleben von Zugehörigkeit als zentrale Ziele sehen. Eine EKD-weite Erhebung von 2018 verdeutlicht das spezifische didaktische Profil der Christenlehre, die stärker als Kindergottesdienste auf Fragen und Bedürfnisse der Kinder sowie auf zeitgenössische Kontexte Bezug nimmt.