Der Artikel von Matthias Gronover definiert Berufsorientierung als komplexe pädagogische und religionspädagogische Aufgabe bei der Gestaltung des Übergangs von Schule in Arbeitswelt. Berufsorientierung verfolgt das Ziel, Jugendlichen zur Selbstwirksamkeit und zur Erfahrung von Sinnstiftung durch Arbeit zu verhelfen. Sie bewegt sich in der Spannung zwischen individueller Persönlichkeitsbildung und äußeren wirtschaftlichen Anforderungen. Religionspädagogisch relevant ist sowohl der Aspekt der Persönlichkeitsbildung als auch ein gesellschaftskritischer Ansatz, der verhindert, dass Berufsorientierung allein den Marktgesetzen untergeordnet wird. In der Berufspädagogik werden drei Phasen unterschieden: Orientierungs-, Entscheidungs- und Realisierungsphase. Der Artikel beschreibt vier Qualitätsdimensionen schulischer Berufsorientierung: unterrichtliche Aktivitäten, außerunterrichtliche Aktivitäten, Kooperationen mit der Wirtschaft und Kooperationen mit anderen Partnern. Eine zentrale Kontroverse liegt in der Frage, ob Berufsorientierung primär als ökonomischer Matching-Prozess verstanden wird oder ob intrinsische Interessen und Talente Vorrang haben. Religionspädagogisch wird gefordert, dass moderne Gesellschaften allen Bürgern würdevolle Arbeit anbieten, die über bloße ökonomische Verwertung hinausgeht. Der Artikel verbindet damit berufspädagogische und theologisch-anthropologische Perspektiven auf menschliches Handeln und Selbstverwirklichung.