Vor 100 Jahren wurde Friedrich Heiler mit seinem religionspsychologisch-religionsgeschichtlichen Buch über Das Gebet berühmt und bleibt als Pionier der Frömmigkeitstheorie und Ökumene bis heute anregend. In Erinnerung an Heilers Studien zum „religiösen Innenleben der Konfessionen“ werden die aktuellen Überlegungen einer Ökumene der konfessionellen Mentalitäten ausgelotet, die jenseits von dogmatischer Lehre und kirchlichen Bekenntnisformeln die intuitiven Wurzeln konfessioneller Frömmigkeitsprofile und Kulturformen auf ihre Bedeutung für die ökumenische Forschung zu erschließen versucht. Vor 100 Jahren erschien im Ernst Reinhardt Verlag in München die überarbeitete Dissertation des ebendort 1892 geborenen und 1967 verstorbenen Religionswissenschaftlers Friedrich Heiler.1 Schon das Jubiläum des damals aufsehenerregenden Buchs über Das Gebet wäre – zumal in einer Münchener Zeitschrift – Grund genug für eine Erinnerung an dessen Autor, der zwar bis heute als ein Wegbereiter der modernen Religionswissenschaft gilt, hinsichtlich seines Gesamtwerks und seines ökumenischen Beitrags jedoch weitgehend aus dem Blickfeld geraten ist. Im Folgenden soll es jedoch lediglich um einen einzelnen Gedanken, oder besser gesagt: um eine gelegte Spur im Denken Heilers gehen, die womöglich auch für die Ökumene der Gegenwart bleibende Anregungen bereithält. Den Anlass und Hintergrund bildet dabei die Frage nach der Bedeutung von konfessionellen Mentalitäten für die ökumenische Theologie im