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Georg LangenhorstMünchner Theologische Zeitschrift

Georg Langenhorst,

Münchner Theologische Zeitschrift

„Nur keine Frömmigkeit aus Schwäche!“

Veröffentlichung:1.5.2026

In verschiedenen Gedichten bündelt der Münchener Lyriker Michael Krüger seine Erfahrungen in Kirchenräumen poetisch. Anhand von drei Texten aus den Jahren 1993, 2003 und 2010 zeichnet der Beitrag diese ungewohnte Sicht auf Kirchenräume nach.

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In verschiedenen Gedichten bündelt der Münchener Lyriker Michael Krüger seine Erfahrungen in Kirchenräumen poetisch. Anhand von drei Texten aus den Jahren 1993, 2003 und 2010 zeichnet der Beitrag diese ungewohnte Sicht auf Kirchenräume nach. Dabei verlässt der Gedichtsprecher die Kirche immer anders, als er in sie hineinging. Die Raumerfahrungen werden zu ungewöhnlichen Wegen der Selbsterkundung. Insgesamt werden die Gedichte für Lesende zu einer Sehschule, die die klassischen Ansätze der Kirchenraumpädagogik um eine spannende Facette bereichern. Die Kirchenraumpädagogik hat sich seit einigen Jahren als eigenständige Teildisziplin der praktischen Theologie profiliert. Auch wenn die konkreten Bezeichnungen wechseln können: Immer geht es darum, den Kirchenraum so zu erschließen, dass drei Zielperspektiven miteinander verbunden werden können: „Alphabetisierung, Er-Innerung und Beheimatung“1. In Zeiten der zunehmenden Fremdheit vieler Menschen allen Formen von Sakralräumen gegenüber kommt es zunächst darauf an, die Sprache eines Kirchenraumes lesen zu können, seine Architektur, Ausstattung, und Gesamtwirkung erfassen und deuten zu lernen. Diese Deutung erfolgt jedoch im Kontext der Geschichte des Christentums, ist gebunden an Texte, Rituale und Symbole, die eine weitreichende geschichtliche Sphäre und zudem die aktuelle liturgische Gebrauchstradition dieses Raumes mit aufrufen. Möglich werden soll so eine ganz individuelle Beheimatung in solchen Räumen, die Chance, sich dort selbst einen lebensbedeutsamen Platz zuzuordnen: Sei dies im bloßen Erfassen des Raumes, sei dies als Anstoß zu Meditation oder Gebet, sei dies im kunstgeschichtlichen Betrachten, sei dies schließlich in der Teilnahme an Ritual oder Liturgie. Doch damit ist nur eine von zahlreichen Blickrichtungen benannt. Kirchenräume haben darüber hinaus immer schon künstlerische Produktion angeregt. Aus mit Bildern und Statuen geschmückten Kirchen wuchs die Anregung zu neuen Bildern, Statuen und Gebäuden, oftmals in völlig andere Kontexte hinein. Doch mehr noch: Auch Dichterinnen und Dichter haben schon seit langem ihre Erfahrungen an und mit Kirchengebäuden in Sprache gesetzt.2 Im Folgenden soll als Beispiel einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartslyriker vorgestellt werden, in dessen Werk – quer durch die Jahre – immer wieder der Besuch von Kirchen zum Anlass von Gedichten wird. An seinem Werk soll verdeutlicht werden, wie der Blick der Dichter die Kirchenraumpädagogik ganz ungewollt, aber eben auf völlig eigen-artige Weise bereichern kann.

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