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Maria Elisabeth Aigner

Vom Versagen, das Versagen anzuerkennen… – Kirchlicher Missbrauchsskandal reloaded

Veröffentlichung:1.5.2026

Die katholische Kirche muss sich dem institutionellen Versagen beim Umgang mit sexuellem und geistlichem Missbrauch stellen, indem sie Opfern ein glaubwürdiges Gegenüber bietet und ihre theologische Bußpraxis erneuert.

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Maria Elisabeth Aigner analysiert in ihrem Artikel die tiefgreifenden Auswirkungen von sexuellem und geistlichem Missbrauch auf die katholische Kirche. Sie argumentiert, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem zwar gestiegen ist, aber nur die Spitze des Eisberges kratzt – tatsächlich durchdringe das Phänomen alle Bereiche kirchlicher Existenz bis in ihre Strukturen und ihr Selbstverständnis. Die Auseinandersetzung mit Missbrauch löse Versuchungen aus, insbesondere die Neigung zur Spaltung in absolute Kategorien von Opfern und Tätern. Aigner plädiert für eine nuanciertere Perspektive: Opfer sind nicht auf ihren Opferstatus zu reduzieren, sondern als Überlebende zu sehen, die Widerstandskraft bewiesen haben. Auch Täter sind Menschen, deren Handlungen schuldig machen, die aber nicht dämonisiert werden dürfen – eine theologische Notwendigkeit für eine Glaubensgemeinschaft, die sich auf Jesus von Nazareth beruft. Die Aufklärung von Missbrauch führe zu einer Lawine von Dynamiken: Vertrauensverlust, Misstrauen und Spaltung. Das zentrale Problem sei jedoch das institutionelle Versagen der Kirche selbst. Sie versagt nicht nur durch das ursprüngliche Versagen einzelner Akteure, sondern auch durch systematisches Vertuschen, die Versetzung von Tätern und den Druck auf Betroffene zu schweigen. Besonders kritisch ist das Versagen, sich diesem Versagen selbst zu stellen. Unter Bezug auf Klaus Mertes wird deutlich: Opfer benötigen ein Gegenüber, das Verantwortung übernimmt und ihrer Anklage standhält – nicht seelsorgliche Nähe, die als erneuter Missbrauch wirken kann.

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