Die Bischofssynode zu Amazonien (Oktober 2019) war das Ergebnis eines zweijährigen synodalen Prozesses, an dem etwa 80.000 Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen Amazoniens teilnahmen. Der Prozess war geprägt von aufmerksamem Zuhören – ein Hören, das transformierend wirkt und mit dem Erkennen der Zeichen der Zeit verbunden ist. Die wesentlichen Erkenntnisse flossen in das Arbeitsdokument ein und zeigen, dass die Kirche durch das Zuhören auf Völker und Natur zu einer Kirche im Aufbruch wird.
Das Arbeitsdokument verdeutlicht zunächst die überwältigende Lebensvielfalt Amazoniens: Das Gebiet ist 17-mal so groß wie Deutschland, beherbergt ein Drittel der Urwälder und zählt zu den biodiversesten Regionen der Erde. Etwa 33 Millionen Menschen leben dort, davon 3 Millionen Indigene. Zugleich ist Amazonien extrem bedroht durch eine extraktive Wirtschaftsweise, die alles zur Handelsware macht und auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Menschen, die friedlichen Widerstand leisten, werden kriminalisiert, bedroht oder ermordet.
Die Kirche wird aufgefordert, den „Klageschrei der Erde und der Armen" zu hören und als prophetisch-samaritanische Kirche zu antworten. Sie soll sich zur Verteidigung des Lebens, der Erde und der Kulturen verpflichten und die Impulse von Laudato Si' umsetzen – allerdings bedarf dies auch der Solidarität der Weltkirche.
Theologisch zentral ist die Erkenntnis, dass für indigene Völker das konkrete Territorium ein theologischer Ort ist – Kontext des Glaubens und Kirche-Seins, Ort der Gotteserfahrung und besonderer Dignität. Dies führt zu einer ekklesiologischen Vielfalt: An verschiedenen Orten prägen sich unterschiedliche Denk-, Lebens- und Glaubensweisen aus, die die Weltkirche bereichern. Es braucht Freiheit und Kreativität der Ortskirchen, um situativ auf spezifische pastorale Bedürfnisse und Herausforderungen zu antworten.