In einem Interview nach ihrer Ehrenpromotion durch die Universität Luzern setzen sich Bischof Franz-Josef Bode und Professorin Margit Eckholt mit der Frauenfrage in der katholischen Kirche auseinander. Bode betont das vom Zweiten Vatikanischen Konzil etablierte Verhältnis zwischen Dogmatik und Pastoral: Kirchliche Lehre darf nicht isoliert bleiben, sondern die Lebenswirklichkeit der Menschen muss als Quelle theologischer Erkenntnis anerkannt werden. Dies gewinnt bei der Frauenproblematik besondere Bedeutung, da die faktische Ausgrenzung von Frauen die theologische Reflexion herausfordert.
Eckholt argumentiert, dass nicht der Zugang von Frauen zu kirchlichen Diensten begründungspflichtig ist, sondern deren Ausschluss. Sie fordert ein Zusammenspiel von wissenschaftlicher Theologie, empirischen Bestandsaufnahmen und ernsthaafter Auseinandersetzung mit dem Selbstbewusstsein junger Frauen. Die theologischen Argumente der feministischen Theologie seit den 1970er Jahren – insbesondere die in der Gottebenbildlichkeit begründete gleiche Würde – müssen wieder in den kirchlichen Diskurs einfließen. Sie kritisiert die engende Argumentation, die das männliche Geschlecht zur „unaufgebbaren Substanz" der Priesterweihe erklärt, da dies zunehmend unplausibel wird. Bewegungen wie Maria 2.0 zeigen, dass die Kirche ohne die Anerkennung und Förderung von Frauen keine Zukunft hat.
Beide Gesprächspartner sehen im Synodalen Weg der deutschen Kirche eine Chance, nicht nur sexuellen Missbrauch aufzuarbeiten, sondern die dahinterliegenden systemischen Probleme anzugehen: Machtstrukturen, Amtsverständnis, das Verhältnis von Frauen und Männern sowie das Verständnis von Sexualität und Partnerschaft. Nur in der Haltung der Synodalität könne die Kirche glaubwürdig in die Zukunft gehen.