Der Artikel würdigt die 2023 verstorbene amerikanische Theologin Sallie McFague und ihre bleibende Relevanz für ökologische und ethische Fragen. McFague stellt zwei gegensätzliche Lebensweisen gegenüber: Das amerikanische Ideal der Selbstverwirklichung („follow your passion") führt zu Konkurrenz um begrenzte Ressourcen, während das evangelische Motto „lose yourself" zu umfassender Solidarität führt. Zentral für McFagues Ansatz ist ihre Metapher der Welt als Körper Gottes, die sie aus einer Kindheitserkenntnis entwickelt: Der Name Gottes steht grundierend hinter jedem einzelnen Namen, Gott ist in jedem Geschöpf gegenwärtig.
Diese Vorstellung überwindet das traditionelle Transzendenz-Paradigma, das Gott und Welt trennt und die Natur zum bloßen Schauplatz der Mensch-Gott-Begegnung degradiert. Stattdessen besteht eine Kontinuität zwischen Gott, Mensch und aller Kreatur: Alle bringen göttliches Leben zum Ausdruck. Körper sind jedoch verletzlich. Wenn wir Gottes Körper ausbeuten – durch Ausbeutung von Natur, Menschen und Kreaturen – verletzen wir Gott selbst. Diese Einsicht mündet in eine ethische Forderung: Wer auf Kosten anderer lebt, macht diese bedürftig und entstellt Gottes Körper. Nur wo Leben, Liebe und Freiheit für alle gedeihen, wird Gott in der Schöpfung erkennbar. McFagues Ansatz bietet eine theologische Grundlage, um ökologische Zerstörung nicht als separate Krise, sondern als existenzielle Gefährdung unseres Glaubens zu verstehen.