GottesSuche entstand vor 20 Jahren aus dem Unbehagen, dass Missbrauchsbetroffene in Kirchen und Lebenshilfeanbietern weder seriöse theologische Begleitung noch respektvolle Unterstützung fanden. Die Initiative entwickelte sich als ökumenische Graswurzelbewegung, gegründet von und für Betroffene verschiedenster Lebensentwürfe und Konfessionen – Frauen sind deutlich in der Mehrheit, wobei Männer mit Missbrauchserfahrungen vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Ein ehrenamtliches Team aus zwei katholischen und einem evangelischen Theologen koordiniert die Arbeit.
Die Initiative hat sich in 20 Jahren durch konkrete Aufgabenfelder etabliert: Einzelbegleitung per Mail, eine aktive Mailingliste mit täglich durchschnittlich neun Mails, wöchentliche Bibelchaträume, jährliche Treffen zu biblischen Themen sowie umfassende Informationsarbeit zum christlichen Glauben nach Gewalterfahrung. Mit täglich 125 Besuchern auf der Homepage und 3.483 Mails in der Mailingliste pro Jahr ist die Initiative deutlich über die Kinderschuhe hinausgewachsen und bleibt im deutschsprachigen Raum Alleinanbieterin für dieses spezifische Angebot.
Die Auszeichnung mit dem Aggiornamento-Preis des Katholikentages signalisiert eine wichtige kirchliche Anerkennung: Betroffene sind nicht am Rande der Kirche, sondern normale Kirchenmitglieder in der Mitte – statistische Realität in jeder vierer Gruppe. Dies erfordert von Pastoral und Verkündigung konsequente Traumasensibilität. Viele Betroffene leiden darunter, dass ihre Erfahrungen in regulären Gemeinden unsichtbar bleiben und dass traditionelle Gottesdienste (mit Rede vom mächtigen Vater oder heilsamer Vergebung) emotional belastend wirken. GottesSuche fordert damit implizit, dass Kirchen überall damit rechnen, Betroffene seien anwesend, und ihre Angebote und Sprache entsprechend gestalten.