Der Text reflektiert über die Wahl von Papst Franziskus und dessen humorvolle Bemerkung, dass die Kardinäle ihn vom „Ende der Welt" – aus Argentinien – nach Rom holten. Dies führt zu einer grundsätzlichen Überlegung über Erwartungshaltungen und Uniformität im europäischen Christentum. Der Autor kontrastiert die Wahl eines Papstes aus Südamerika mit der Annahme, dass innerhalb Europas – als vermeintlich homogener, wohlbekannter Kontinent mit gemeinsamer Geschichte und zweitausendjähriger christlicher Tradition – alles gleichmäßiger, vorhersehbarer und weniger überraschend sein sollte.
Dabei werden paulinische Ideale der Einmütigkeit und gleichmäßigen Liebe (Philipper 2,2) als mögliche theologische Grundlage für europäische christliche Einheit angeführt. Der Text hinterfragt implizit, ob das Streben nach Eintracht und gemeinsamer Ausrichtung im europäischen Christentum notwendigerweise zu Konformität, Mangel an Vielfalt und fehlenden innovativen Impulsen führt. Die ironische Frage am Ende deutet an, dass trotz oder gerade wegen gemeinsamer Traditionen und Glaubensüberzeugungen Raum für Überraschungen, Anderssein und neue Perspektiven bestehen sollte – möglicherweise sogar besonders im etablierten europäischen Christentum.