Der Katharinen-Turm ist eine temporäre Kunstinstallation aus nachhaltigen Materialien, die vom 20. August bis 10. Dezember 2024 vor dem Fraumünster in Zürich steht. Eine private Initiative von Frauen, unterstützt von Stadt, Kanton und beiden Kirchen, hat diesen «Leuchtturm der Reformation» konzipiert, um die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Präsenz von Frauen in Zürich manifestierbar zu machen.
Die Co-Präsidentinnen Alexia Zeller (Theologin) und Lucia Pennati (Architektin) verstehen das Projekt als vielschichtiges Puzzle aus historischen, theologischen und architektonischen Elementen. Sie weigerten sich bewusst, Reformationsgeschichte und Frauengeschichte zu trennen – eine Komplexität, die das Projekt trägt. Zentral ist die Figur Katharina von Zimmerns, der letzten Äbtissin des Fraumünsters, die am 8. Dezember 1524 die Schlüssel ihrer königlichen Abtei der sich reformierenden Stadt übergab und damit die materiellen Voraussetzungen für die Realisierung reformatorischer Ideen schuf.
Die Reformationsgeschichte wird üblicherweise als Männergeschichte erzählt – Zwingli, Calvin, Luther prägen das Narrativ. 2024 wird zum Anlass genommen, dieses einseitige Bild aufzubrechen. Das Fraumünster war seit seiner Stiftung 853 ein Ort, an dem 28 Äbtissinnen über Jahrhunderte geistlichen und weltlichen Reichtum, Macht und Einfluss ausübten. Der architektonische Aspekt unterstreicht dies: Der historische Südturm des Fraumünsters wurde 1732 abgetragen und unsichtbar gemacht – parallel zu der Relativierung des Ortes als Abtei zur Gemeindekirche. Der Katharinen-Turm macht diese materielle Geschichte wieder sichtbar und eröffnet damit einen Diskurs über Materialisierung von Frömmigkeit, Macht und gesellschaftlichen Veränderungen.