Der Artikel bilanziert den Synodalen Weg der Katholischen Kirche in Deutschland nach seiner fünften Vollversammlung 2023. Ausgangspunkt war die MHG-Studie von 2018, die sexuelle Gewalt durch Kleriker dokumentierte und eine existenzielle Kirchenkrise offenbarte. Der Synodale Weg wurde als strukturelle Reaktion konzipiert, um durch systemische Änderungen Machtmissbrauch zu verhindern. Vier zentrale Synodalforen wurden eingerichtet: zu Macht- und Gewaltenteilung, priesterlicher Existenz, gelingenden Beziehungen und Frauen in Ämtern – Themen, die die aktuelle Krise reflektieren.
Das Forum „Macht und Gewaltenteilung" behandelt eine Meta-Aufgabe: Während moderne Demokratien funktionierende Gewaltenteilungssysteme kennen, operiert die Kirche weitgehend autokratisch ohne ausreichende Machtkontrollmechanismen. Fragen nach Zugang zur Macht, ihrer Kontrolle und zeitlichen Begrenzung bleiben weitgehend unbeantwortet. Die Vollversammlung verabschiedete wichtige Beschlüsse: einen theologischen Grundlagentext zur Gewaltenteilung, die Beteiligung des Kirchenvolkes bei Bischofswahlen und die Einrichtung eines permanenten Synodalen Rats. Der Beschluss „Gemeinsam beraten und entscheiden" kam über die erste Lesung nicht hinaus. Römische Interventionen erschwerten die Debatten, zeigten aber auch die Wichtigkeit, die Umsetzungsstrukturen zu institutionalisieren.