Der Artikel reflektiert die Papstwahl von Leo XVI. durch die Linse der Namensgeschichte und ihrer theologischen wie politischen Implikationen. Den Ausgangspunkt bildet die Inschrift auf dem Obelisken des Petersplatzes – ein Symbol des Sieges über das Böse – die der neue Papst in seiner Antrittsrede aufgreift und mit der Botschaft vom waffenlosen Frieden verbindet. Dies führt zu einer Auseinandersetzung mit Leo dem Großen, der legendenhaft Attila am Fluss Mincio 452 n.Chr. durch moralische Autorität statt Gewalt zurückgedrängt haben soll – ein Motiv, das auch Giuseppe Verdi in seiner Oper „Attila" verarbeitete.
Der Artikel enthüllt jedoch die Ambivalenzen der modernen Papstgeschichte unter den Namen Leo. Während Pius IX. (gewählt 1846, im Jahr von Verdis Uraufführung) zunächst als liberaler Reformer gehofft wurde, wendete er sich gegen die italienische Einigungsbewegung und isolierte die Kirche nach 1870. Leo XIII. wirkt rätselhaft: Als Autor von 86 Enzykliken versuchte er, Brücken zur modernen Welt zu schlagen, insbesondere mit seiner Sozialenzyklika Rerum novarum, doch verurteilte er zugleich den „Amerikanismus" als zu liberal und trug zur späteren Antimodernismuskrise bei.
Vor diesem historischen Hintergrund wird die Namenswahl des neuen Papstes Leo XVI. als bewusste Programmatik interpretiert: nicht die Festungshaltung eines Leo IV. mit seiner „Leoninischen Mauer", sondern die Brückenbauerfunktion (Pontifex) eines Leo des Großen. Der Artikel schließt mit der Hoffnung auf eine „franziskanische Kontinuität" mit seinem Vorgänger Franziskus und deutet an, dass möglicherweise auch Bruder Leo, der Gefährte Franz von Assisis, eine Inspirationsquelle war – ein Hoffnungszeichen für eine kirchliche Öffnung zur Welt.