Welche Leitbegriffe sollten die Religionspädagogik prägen? Der Beitrag nimmt diese grundsätzliche Frage ernst und plädiert dafür, anthropologische Kategorien stärker in den Fokus zu rücken. Ausgehend von einem historischen Überblick über religionspädagogische Leitbegriffe – von der „evangelischen Unterweisung" über „Bildung" und „Erfahrung" bis zu zeitgenössischen Begriffen wie „Empowerment" und „Digitalisierung" – wird systematisch dargelegt, dass diese Begriffe verschiedenen Diskursen entstammen und unterschiedliche Funktionen erfüllen. Der Autor argumentiert bildungstheoretisch: Während Leitbegriffe wie „Bildung" oder „Lernen" konstitutiv für die Selbstbeschreibung religionspädagogischer Theorie sind, können anthropologische Kategorien wie „Religiosität", „Erfahrung", „Wahrnehmung" oder „Identität" zwar komplementäre Perspektiven eröffnen, ersetzten aber nicht die grundlegenden Bestimmungen. Exemplarisch werden drei anthropologische Leitbegriffe beleuchtet: Zunächst wird Hemels Konzept der „Religiosität" als Weltdeutungskompetenz mit ihren verschiedenen Dimensionen (religiöse Sensibilität, Ausdrucksverhalten, inhaltliche Dimensionen) vorgestellt. Danach wendet sich der Text dem internationalen Diskurs zu und untersucht „Life orientation" als Alternative zu „world view". Schließlich wird „Credition" als bislang unterschätzter Begriff aus dem religionspädagogischen Umfeld thematisiert. Der Text zielt darauf ab, einen kritischen und differenzierten Diskurs über religionspädagogische Leitbegriffe anzuregen und ihre Potentiale wie Grenzen offenzulegen.