Die COVID-19-Pandemie hat Religionslehrer:innen seit März 2020 vor eine fundamentale didaktische Aufgabe gestellt: Wie lässt sich qualitativ hochwertiger Religionsunterricht im digitalen Format gestalten? Der vorliegende Artikel schließt eine empirische Forschungslücke, indem er auf Basis von qualitativen Schüler:inneninterviews und analysierten Unterrichtsbeispielen von Lehrkräften erstmals konkrete Impulse für gelingende Lernprozesse im digitalen Religionsunterricht formuliert. Die Studie beruht auf mehreren Forschungsperspektiven: Dreizehn Schüler:innen aus Baden-Württemberg wurden zu ihren Erfahrungen mit digitalem Religionsunterricht befragt, während vierzehn Unterrichtsbeispiele von Religionslehrer:innen systematisch ausgewertet wurden. Durch die vergleichende Analyse von Lehrenden- und Lernendenperspektive werden zentrale Gelingensbedingungen identifiziert. Der Artikel zeigt, dass sowohl technisch-strukturelle Voraussetzungen als auch didaktisch-methodische Gestaltung entscheidend für erfolgreiche digitale Lernprozesse sind. Besonders deutlich wird: Während Schüler:innen eine methodische Vielfalt und motivierende Unterrichtsgestaltung einfordern, müssen Lehrende sich stärker bewusst machen, welche strukturellen Hürden – etwa fehlende Lernräume oder technische Ausstattung – Schüler:innen konkret gegenüberstehen. Die Ergebnisse werden mit etablierten Unterrichtsqualitätsdimensionen diskutiert und ermöglichen damit auch Rückschlüsse für den zukünftigen Präsenzunterricht in hybriden Formaten. Der Artikel trägt somit dazu bei, digitalen Religionsunterricht nicht als temporäre Notlösung, sondern als ernsthafte didaktische Herausforderung zu behandeln.