Die religiöse Zusammensetzung europäischer Großstädte hat sich grundlegend verändert: In Hamburg sind heute weniger als 30 Prozent der Bevölkerung evangelisch-lutherisch, während Konfessionslose, Muslime, Katholiken und Angehörige anderer Religionen zusammen die Mehrheit bilden. Diese demografische Realität stellt Schulen vor die Frage, wie religiöse Bildung in dieser Vielfalt gestaltet werden kann. Der Artikel analysiert Hamburgs innovativen Weg eines „Religionsunterrichts für alle unter gemeinsamer Verantwortung" – ein Modell, das seit den 1980er-Jahren entwickelt wurde und mittlerweile von evangelischer, muslimischer und alevitischer Seite mitverantwortet wird. Allerdings bleiben erhebliche Herausforderungen: Buddhisten, Hindus und andere Religionsgemeinschaften sind noch nicht eingebunden, und die Mehrheit der Schülerschaft bleibt konfessionslos. Der Text plädiert dafür, religiöse Bildung nicht als Privileg bestimmter Glaubensgemeinschaften zu verstehen, sondern als Recht aller Kinder – unabhängig von ihrer religiösen Herkunft. Subjektorientierte didaktische Ansätze wie problemorientierter und dialogischer Religionsunterricht werden als vielversprechende Wege vorgestellt, um in heterogenen Klassen echte Gleichberechtigung in Lernprozessen zu schaffen. Der Autor argumentiert, dass Religion im Curriculum einen gleichwertigen Platz verdient und dass die Auseinandersetzung mit religiösen Fragen zentral für die Entwicklung von Pluralismusfähigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt ist.