Das SpiRiTex-Projekt eröffnet Religionslehramtsstudierenden neue Perspektiven auf ihre berufliche und persönliche Entwicklung. Im Mittelpunkt steht die Idee, dass heilige Orte, Rituale und Texte als spirituelle Quellen fungieren können – vorausgesetzt, angehende Lehrkräfte setzen sich mit ihnen in kreativen, theorie-geleiteten Lernprozessen auseinander. Der vorliegende Aufsatz dokumentiert erste Ergebnisse aus dem Pilotdurchgang des europäischen Projekts, das im Mai 2018 in Flandern stattfand und das Element des sacred space in den Fokus rückte.
Das Projekt verbindet Pilgern – verstanden als prozessorientiertes spirituelles Wandern – mit dem Aufsuchen heiliger Stätten, die bewusst einen „hermeneutisch-irritierenden" Charakter aufweisen. Diese Irritation ermöglicht es Studierenden, sich selbst neu zu positionieren, ihren Glauben zu überdenken und gleichzeitig in dialogischer Begegnung mit anderen zu lernen. Das Forschungsdesign folgt dabei drei Begegnungsdimensionen: inter-disziplinär, inter-weltanschaulich und inter-kontextuell. Korrespondierend dazu werden drei Lernarten – dynamisch-kreatives, transformatives und exploratives Lernen – ermöglicht.
Der theoretische Rahmen reagiert auf zentrale Herausforderungen zeitgenössischer Religionslehrerbildung: Wie bereitet man angehende Lehrkräfte angemessen auf ein komplexes, plurales Umfeld vor? Wie entwickeln sie eine ausgeprägte religiöse Identität, ohne dabei authentisch zu bleiben? Das Projekt geht davon aus, dass Religionsunterricht narrativ, kommunikativ und spirituell sein muss und Schüler*innen Raum für echte Begegnungen brauchen. Die Pilotphase liefert empirische Einblicke, wie diese Lernumgebungen konkret funktionieren und welche transformativen Potenziale in der Kombination von Pilgerfahrt, heiligen Orten und internationaler Studierendenmobilität liegen.