Der Artikel analysiert die tiefgreifenden Transformationen des islamischen Religionsunterrichts in der Türkei seit der Gründung der Republik 1923, mit besonderem Fokus auf die Entwicklungen seit den 2000er Jahren. Die Verfasser beschreiben das neue Paradigma des Lehrplans "Religiöse Kultur und Ethik" (Din Kültürü ve Ahlak Bilgisi), das als obligatorisches Fach für Schüler der Klassen 4-12 eingeführt wurde und einem schülerzentrierten Ansatz folgt. Dieser Ansatz, bekannt als das "Ankara-Modell", betont die kognitiven, emotionalen und sozialen Bedürfnisse junger Menschen und integriert konstruktivistische Lernmethoden. Ein zentrales Anliegen des Artikels ist die Frage, wie Religionsunterricht nicht nur Wissensvermittlung leisten, sondern auch Schülern Gelegenheiten bieten kann, über existenzielle Fragen und den Sinn des Lebens nachzudenken. Die Verfasser kritisieren, dass trotz curricularer Betonung der Bedeutungskonstruktion der Religionsunterricht in der Praxis häufig scheitert, sowohl epistemische als auch existenzielle Bedeutung zu sichern. Sie identifizieren als Kernproblem, dass Lehrkräfte oft nicht über das notwendige pädagogische Inhaltswissen verfügen, um islamisches Wissen in bedeutungsvolle Lernprozesse zu transformieren. Als Lösung schlagen die Autoren den Ansatz der "Theologie für den Einzelnen" vor, der nicht für eine neue Theologie plädiert, sondern für ein hermeneutisches Verständnis des Korans basierend auf den historischen Kontexten der Offenbarung (Asbāb an-Nuzul). Dieser Ansatz zielt darauf ab, dass Lehrkräfte und Schüler den Qur'an über bloße Memorierung hinaus erkunden und seine Bedeutungsschichten für ihre eigenen Leben und das Verständnis anderer erfassen können. Die Verfasser präsentieren ein durchgeführtes TUBITAK-Forschungsprojekt der Fakultät für Theologie an der Ankara-Universität (2011-2015), das zeigte, wie die Integration von Weltanschauungsbildung mit dem Ansatz der "Theologie für den Einzelnen" Lehrkräfte aktiv einbezieht. Sie strukturieren ihre Argumentation um vier grundlegende Bedeutungsbedürfnisse: Zweck/Sinn, Wert, Wirksamkeit und Selbstwertgefühl, und zeigen auf, wie islamische Weltanschauung Qur'anische Antworten auf diese Bedürfnisse bereitstellt. Die Verfasser betonen, dass bedeutungsvolles Lernen vom pädagogischen Inhaltswissen abhängt – der Fähigkeit von Lehrkräften, Inhalte so zu formulieren und darzustellen, dass sie für Lernende sinnvoll werden. Sie plädieren dafür, dass Lehrkräfteausbildung diese Fähigkeiten entwickelt und so zum tieferen Verständnis von Bedeutungskonstruktionsprozessen beiträgt. Die Studie schließt mit der Hoffnung, dass die Integration von Weltanschauungsbildung in die professionelle Entwicklung von Lehrkräften neue Forschungswege eröffnet zur Untersuchung von Bedeutungskonstruktion im Kontext des Selbstverstehens, des Verstehens anderer und der tieferen Bedeutung der Worte des Göttlichen.