Der Artikel bietet eine umfassende Bilanz der Entwicklung des seit 1993 offiziell erprobten konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts (kokoRU). Im ersten Teil werden die unterschiedlichen Formen analysiert, die in verschiedenen Bundesländern entstanden sind: Während Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg das konfessionelle Profil durch Fortbildungen und Lehrerwechsel bewahren, erfolgt in Schleswig-Holstein eher eine Öffnung des konfessionellen Unterrichts. Niedersachsen und Hessen setzen auf dezentrale Umsetzung. Diese Vielfalt wird als notwendige Anpassung an regionale Kontexte interpretiert, birgt aber auch Probleme bei der Genehmigung. Der zweite Teil behandelt Ziele und Inhalte: Sensibilisierung für konfessionelle Kulturen, Aufzeigen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden, Perspektivenwechsel und Respekt stehen im Fokus. Die Autorengruppe kritisiert, dass diese Ziele bislang nur für Primar- und Sekundarstufe I formuliert sind, obwohl positive Erfahrungen in der Oberstufe vorliegen. Wenig belastbare Studien existieren zu spezifischen Unterrichtsinhalten; das Unterrichtsmaterial ist begrenzt, wobei methodisch vielfältige Ansätze beobachtet werden. Im dritten Teil wird die bisherige Evaluationsforschung als ernüchternd bewertet: Zuwächse zeigen sich vor allem bei konfessionsbezogenem Wissen und bei der Passung zu jugendlicher Offenheit für Religionen. Weiterreichende Effekte bei Einstellungen oder Perspektivenfähigkeit sind nicht eindeutig nachweisbar. Das vierte Teil benennt Desiderate: Erstens wird ein deutliches Ungleichgewicht zwischen schulischer Verbreitung und Verankerung in Aus- und Weiterbildung konstatiert. Zweitens wird die Notwendigkeit einer interreligiösen Erweiterung des Konzepts diskutiert, insbesondere angesichts der religionsdemografischen Transformationen. Dies erfordert jedoch umfangreiche theologische und religionspolitische Neubestimmungen. Ein Blick auf die KPH Wien/Krems zeigt, dass interreligiöse Kooperation in der Hochschullehre verankert werden kann, allerdings mit spezifischen Herausforderungen in Bezug auf Mehrheits- und Minderheitensituationen sowie Qualitätssicherung.