Der Artikel behandelt die Herausforderungen, die sich aus modernen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen für die Religionspädagogik ergeben. Zunächst werden die modernen Neurowissenschaften charakterisiert, ihre aktuelle Status als Leitwissenschaft erläutert und ihre Grenzen aufgezeigt. Der Autor betont, dass die Hirnforschung auf der untersten Organisationsebene (Nervenzellen) und auf der obersten Ebene (Hirnareale) Erfolge vorweisen kann, während die mittlere Ebene (Zellverbände) weitgehend unerforschtes Terrain bleibt. Dies hat Konsequenzen für theologische und religionspädagogische Fragen. Zweite Herausforderung ist die sogenannte Neurodidaktik, die Erkenntnisse der Hirnforschung für die Didaktik nutzbar machen will. Der Autor kritisiert hier die oft unkritische Übertragung von Lernforschung auf Lehrmodelle und verweist auf wissenschaftstheoretische Probleme dieser Unternehmung. Ein drittes Feld betrifft die Frage nach Willensfreiheit. Der Autor stellt hier die kompatibilistische Position vor, wonach Freiheit und Determination vereinbar sind. Dies führt zu dem Konzept der "Willensarbeit" – die kontinuierliche Aufgabe, die eigene Freiheit zu erarbeiten, bestehend aus Artikulation, Interpretation und Bewertung des Willens. Der Artikel schließt mit der Feststellung, dass die Religionspädagogik sich mit allen drei Themenbereichen auseinandersetzen muss und besonders die Willensarbeit eine Querschnittsaufgabe darstellt.